Ästhetik und Ökologie

Juho Nyberg
15. März 2021
Lässt sich der Mischhebel nur nach links drehen, spart das 20 bis 30 Prozent Energie. (Foto: KWC / Hochschule Luzern)

Forscher*innen der Hochschule Luzern und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften haben gezeigt, wie sich durch das Design von Armaturen Energie sparen lässt.

Die Symmetrie spielt für unser ästhetisches Empfinden offensichtlich eine grosse Rolle. Entsprechend der ursprünglichen Bedeutung aus dem Altgriechischen – «Ebenmass» – scheint ihr eine Ausgewogenheit innezuwohnen, die wir Menschen unwillkürlich als angenehm empfinden. Dies spiegelt sich selbst in banalsten Dingen und ganz alltäglichen Handlungen wider. 

Aus der Mitte heraus

Doch was heisst das? Ein Beispiel: In den meisten Haushalten bleiben die Mischhebel der Wasserhähne die meiste Zeit in einer mittleren Stellung – auch während der Benutzung, etwa beim kurzen Händewaschen. Das Problem daran: Das Warmwasser vermag oft gar nicht den ganzen Weg bis zum Hahn zurückzulegen. So wird tatsächlich nur kaltes Wasser benutzt, das nachfliessende Warmwasser hingegen bleibt in der Leitung und kühlt in der Folge ab. Dies haben Forscher*innen der beiden Hochschulen in Luzern und Zürich in einem von EnergieSchweiz unterstützten Projekt herausgefunden. Die Lösung könnte ein leicht modifizierter Hahn sein, der sich aus der Mittelposition nur nach links, zum Warmwasser hin, drehen lässt. Der Startpunkt der Temperaturskala wird an die ästhetisch bevorzugte Stelle verschoben.

Kleine Massnahme, grosse Wirkung

Eine einjährige Untersuchung in einer Wohnsiedlung hat deutliche Resultate geliefert: Pro Armatur (am Spültisch in der Küche oder am Lavabo im Bad) konnte der Energieverbrauch um 20 bis 30 Prozent verringert werden, der gesamte Warmwasserverbrauch sank um fünf Prozent. Die «Mittelstellung Kaltwasser», wie die Forscher*innen sie nennen, wurde von den Benutzer*innen gut akzeptiert. Offenbar sind andere Faktoren wie Höhe, Schwenkbarkeit, Reinigungsverhalten, Spritzverhalten und generelle Handhabung für den Komfort massgeblicher.

Trotzdem rät Forschungsleiter Benoît Sicre nicht zu einem möglichst raschen Austausch von Armaturen. Zu berücksichtigen sei auch die graue Energie für Herstellung und Transport. Bei anstehenden Erneuerungen jedoch, etwa im Rahmen einer Sanierung, sei die Wahl solcher Armaturen sinnvoll.


Friederike Kluge und Meik Rehrmann (Alma Maki, Countdown 2030) diskutierten mit Verena Konrad (Vorarlberger Architektur Institut) und Martin Haas (haascookzemmrich STUDIO2050, Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) über eine menschen- und umweltfreundliche Baukultur.

Snøhetta setze sich für soziale und ökologische Nachhaltigkeit ein, sagt Patrick Lüth. Mit der neuen Zentrale des Tiroler Reiseveranstalters ASI hat sein Team die Wahl zum Bau des Jahres 2020 auf Austria-Architects gewonnen.

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