Basels neuer Campus des Wohlklangs

Manuel Pestalozzi
4. Juli 2022
Ein neues Aussenfoyer soll dereinst zum beliebten Begegnungsort werden. (Visualisierung: Architecture Club)

Die Musik-Akademie Basel besteht seit nunmehr 150 Jahren. Seit ihrer Gründung wuchs sie stetig. Heute bietet sie ein grosses und vielfältiges Lehr- und Weiterbildungsangebot. Weil sich pädagogische Konzepte und Platzbedarf zuletzt stark verändert haben, benötigt die Akademie neue Räumlichkeiten und Infrastrukturen. Also sollen die historischen Bestandsbauten der Schule saniert und erweitert werden.

Für den Eingriff wurde ein selektiver Studienauftrag lanciert. Das Beurteilungsgremium unter dem Vorsitz von Pierre de Meuron wählte in einer offenen Präqualifikation aus 37 Bewerbungen zunächst vier Teams aus: die Architekturbüros Christ & Gantenbein und Diener & Diener, die Arbeitsgemeinschaft aus Harry Gugger und Luca Selva sowie das interdisziplinäre Nachwuchsbüro Architecture Club. Der Vorschlag von Karolina Slawecka und Pawel Krzeminski, der gemeinsam mit dem Team von Chaves Biedermann Landschaftsarchitekten entwickelt wurde, erwies sich dann als der beste und wurde zur Weiterbearbeitung empfohlen. Die beiden jungen Architekten arbeiteten bei Herzog & de Meuron und Peter Zumthor an internationalen Projekten, ehe sie 2017 ihr eigenes Büro in Basel gründeten. Momentan setzen sie bereits Projekte unterschiedlicher Grösse in der Schweiz, aber auch in Polen und Italien um.

Der Erweiterungsbau am Leonhardsgraben 40 soll ein Kleid aus Photovoltaikmodulen erhalten, das wie eine Kappe über den Bau gestülpt wird. (Visualisierung: Architecture Club)

Doch worin liegt nun die architektonische Qualität ihres Vorschlags? Gerade auch hinsichtlich des Umgangs mit dem Bestand konnte das siegreiche Projekt überzeugen: Der Akademiehof an der Leonhardsstrasse bleibt erhalten und wird gegen Osten hin um den Garten der unlängst erworbenen Liegenschaft Leonhardsstrasse 2 erweitert. Das Gebäude am Leonhardsgraben 40 wird umgebaut und vergrössert. Eine Fassade aus Photovoltaikmodulen verschaffe der Musik-Akademie Basel und der Hochschule für Musik der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW dabei einen selbstbewussten und zugleich einladenden Auftritt im Stadtraum, so die Jury.

Zwei trichterförmige Durchgänge führen zum markanten Neubau im Nordhof, dessen Erdgeschoss als offener Aussenraum über der Vera-Oeri-Bibliothek konzipiert ist. Dieses neue Aussenfoyer bietet trotz der insgesamt höheren baulichen Dichte einen neuen Aufenthalts- und Begegnungsraum. Im Inneren verfügt der Neubau mit der Salle Modulable sowie weiteren Musikräumen über ein frei nutzbares Erdgeschoss, das mit dem eben erwähnten Aussenfoyer als durchgehender Raum bespielt werden kann. Zudem soll das neue Bauwerk mit seiner schieren Höhe ein Zeichen setzen, das auch ausserhalb des Campus wahrgenommen wird. Die mit Photovoltaikmodulen besetzte Dachhaut wird wie eine Kappe über das Gebäude gestülpt.

Nun wird das Projekt in Abstimmung mit dem Kanton Basel-Stadt weiterentwickelt und gemäss den Empfehlungen der Jury überarbeitet. Der genaue Zeitplan für die Realisierung ist noch nicht bekannt. 

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