BIM und die vernetzte Kette

 Manuel Pestalozzi
15. Juni 2015
Bilder: «Bauen digital Schweiz»
Mittels Building Information Modeling (BIM) die digitale Vernetzung der Wertschöpfungskette koordinieren – das will die Interessengemeinschaft «Bauen digital Schweiz». Architekturschaffende sollten sich einbringen.
BIM beschreibt gemäss Wikipedia einen «dreidimensionalen, objektorientierten, AEC-spezifischen computerunterstützten Design-Prozess». Das System fasst seit einigen Jahren auch hierzulande in der Planungs-, der Baubranche, bei den Zulieferern und im Facility Management Fuss. Virtuelle Modelle von Neubau- oder Sanierungsprojekten sind dank BIM für alle Beteiligten zugänglich und lassen sich jederzeit be- oder überarbeiten.
 
Wie gross die allgemeine BIM-Kompetenz ist, weiss niemand genau. Klar ist aber, dass die Kommunikationsmethode die Baubranche unter Druck setzt. Die EU unterhält eine BIM-Taskforce, in Grossbritannien, den Niederlanden oder in Skandinavien ist BIM bei staatlichen Ausschreibungen bereits vorgeschrieben. Auch in der Schweiz sieht man Handlungsbedarf. Deshalb tauschten sich am 11. Und 12. Juni 2015 an der ETH Zürich Branchenvertreter zum Thema BIM aus. Und am Ende der Veranstaltung wurde «Bauen digital Schweiz» der Öffentlichkeit bekannt gemacht.
Viele Väter, eine Mutter: Versammlung der Persönlichkeiten, die mit ersten Commitments einen Beitrag leisteten um «Bauen digital Schweiz» aus der Taufe zu heben.
«Bauen digital Schweiz» will BIM hierzulande zum endgültigen Durchbruch verhelfen. Die heutigen Prozesse, Methoden, Informationen sowie die Dokumentation werden sich mit BIM grundlegend verändern, geben sich die Initianten überzeugt. Deshalb müssen die dem Planen, Bauen und dem Betrieb zugrunde liegenden Vorgaben und Standards auf das virtuelle Modell ausgerichtet und wo nötig international abgeglichen werden. Zu den Beteiligten gehören neben dem SIA und buildingSMART, die internationale BIM-Standards überwachen soll, Planende, Ausführende, Zulieferer, Leute vom Facility Management und nicht zuletzt auch Fachhochschulen mit entsprechenden Bildungsangeboten.
 
Alle hoffen, dass mit BIM in Sachen Organisation und Informationsaustausch alles besser wird und sich die Effizienz und die Qualität verbessern. «Bauen digital Schweiz» durchläuft momentan die Phasen «Definieren» und «Konsolidieren», die man als Vernehmlassungsprozess betrachten kann. Sie sollen bis zur Swissbau 2016 abgeschlossen werden und während der Messe in Basel Thema eines Forums sein. Anschliessend folgen konkrete Massnahmen, für die das Jahr 2020 als Zeithorizont festgesetzt ist.
Für ein frühes Commitment bei «Bauen digital Schweiz» entschieden hat sich Architekt Ivo Lenherr, Mitinhaber des Büros Fugazza Steinmann Partner AG.
Während der Veranstaltung vom 11. und 12. Juni entstand der Eindruck, dass sich Fachplaner und insbesondere Leute aus der Gebäudetechnik weit mehr für BIM interessieren als Architektinnen und Architekten. Droht die Frage eines Kontrollverlustes und einer ewig währenden «rollenden Planung» über irgend eine Cloud, bei der alle ständig die Finger im Modell haben? An «Bauen digital Schweiz» liegt es, schlüssige Antworten zu liefern und auch alle Probleme im Zusammenhang mit Verbindlichkeiten, Verantwortlichkeiten und der Kompetenzenverteilungen klar zu definieren. Die Mitarbeit von Architektinnen und Architekten scheint aus dieser Perspektive dringend angesagt. Bereits an Bord ist Ivo Lenherr, Mitinhaber von Fugazza Steinmann Partner AG. «Die Architekten wollen das Zepter behalten», begründete er sein Engagement und gab schliesslich der Überzeugung Ausdruck, dass die Möglichkeiten von BIM auch Leidenschaften freisetzen können.

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