BSA ehrt den Protest

Manuel Pestalozzi
10. Juni 2019
Dieses Nationalstrassenprojekt durch Biels Zentrum wurde bis auf Weiteres ausgebremst. Für das Engagement gab es den BSA-Preis 2019. (Visualisierung via a5-biel-bienne.ch)

«Westast so nicht» heisst der Gewinner des BSA-Preises 2019. Der Bund Schweizer Architekten (BSA) ehrt damit die politische Opposition gegen ein Verkehrsprojekt. Es ist eine Parteinahme für den Städtebau.

Mit der Vergabe seines Preises würdigte der BSA an seiner 112. Generalversammlung in Biel das städtebauliche Engagement einer Gruppe von Architekt*innen, Ingenieur*innen und Planer*innen, die «in exemplarischer, schweizerischer Milizarbeit ein Gegenprojekt zum offiziellen erarbeiteten». Das offizielle Projekt ist in weiten Teilen schon realisiert, grundsätzlich richtet sich der Protest von «Westast so nicht» gegen die Unterquerung des Zentrums durch eine abgesenkte, teilweise offene Autobahn und zwei zentrumsnahe Anschlüsse.

Dagegen zu sein ist ehrenvoll, aber es genügt nicht, schreibt der BSA in einer Mitteilung. Erst bessere Ideen («Westast so besser») brächten die Dinge in Bewegung. Mit ihrem am Städtebau orientierten Vorschlag hätten die Freiwilligen von «Westast so nicht» erreicht, dass das schon beschlossene Projekt einer Autobahn mit zwei Anschlüssen quer durch die Stadt sistiert und nun an einem runden Tisch nochmals zur Diskussion gestellt wird. Wer sich mit dem «so besser»-Projekt auseinandersetzen möchte, muss sich auf der Webseite des Komitees durch dicke Textwolken kämpfen. Es soll auf den Langsamverkehr mit der Gleichberechtigung aller Beteiligten, auch als «Berner Modell» bezeichnet, gesetzt werden.

Die Debatte erinnert stark an jene um das Ypsilon in Zürich. Diese fand vor gut 50 Jahren statt. Dass ein halbes Jahrhundert später auf dem selben Niveau gestritten wird, ist irgendwie deprimierend. Städtebau und Verkehrsplanung haben offenbar noch immer nicht zusammengefunden, Swiss-Architects hat verschiedentlich darüber berichtet. Die Vermutung liegt nahe, dass kulturelle Gräben bestehen, die wohl auch ein runder Tisch wie in Biel nicht von jetzt auf gleich überbrücken wird.

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