Das Ingenieurbüro Schlaich Bergermann gewinnt den Studienauftrag für eine Fuss- und Velobrücke in Zürich

Manuel Pestalozzi
4. Mai 2022
Eine beleuchtete Promenade unter dem Käferbergwald – so würde das Projekt des deutsch-schweizerischen Teams um das Ingenieurbüro Schlaich Bergermann in der Dämmerung aussehen. (Visualisierung: Swiss Interactive)

Die neue Brücke über das Gleisfeld soll die Kreise 4 und 5 miteinander verbinden. Ein Team um das Stuttgarter Büro überzeugte mit einem Entwurf, bei dem ein Grünstreifen die beiden Spuren trennt. 

 

Die neue Verbindung soll sich vom Kohlendreieck im Kreis 4, beginnend neben dem neuen Polizei- und Justizzentrum Zürich, in nördliche Richtung über das Gleisfeld zur Westseite des historischen Wipkingerviadukts schwingen und schliesslich unter diesem hindurch eine Verbindung zum Lettenviadukt im Kreis 5 herstellen. Jenes ist seit der Stilllegung des Bahnbetriebs im Jahr 1989 etappenweise für Fussgänger*innen und Velofahrer*innen freigegeben worden. Dank des neuen Bauwerks könnte man also künftig auf Schusters Rappen oder pedalierend von Aussersihl über den Kreis 5 und die Limmat hinweg kreuzungsfrei ins Quartier Unterstrass gelangen, ohne je mit dem Strassen- oder Gleisniveau in Berührung zu kommen. Es lässt sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen, wie gefragt diese «Durchmesserstrecke» dereinst sein wird, doch es darf davon ausgegangen werden, dass sie als Auto- und ÖV-freie Alternative zur Hardbrücke und zur Verbindung Langstrasse–Kornhausbrücke ein beträchtliches Potenzial hat.

 

Die neue Verbindung vom Prime Tower aus gesehen (Visualisierung: Swiss Interactive)

Die geplante Brücke wird über 530 Meter lang sein. Aufenthaltszonen oder Sitzgelegenheiten sind nicht vorgesehen. Nach einer vom Zürcher Tiefbauamt zusammen mit den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) veranlassten Machbarkeitsstudie wurde 2021 für das Projekt ein Studienauftrag im selektiven Verfahren ausgelobt. Nun hat die Jury aus fünf Beiträgen das Projekt «Landschaftsbrücke» des deutsch-schweizerischen Teams aus dem Stuttgarter Ingenieurbüro Schlaich Bergermann, der Emch+Berger AG aus Bern, Itten+Brechbühl und dem Zürcher Büro ghiggi paesaggi einstimmig zur Umsetzung empfohlen. Bei diesem Vorschlag handelt es sich um eine Stahlkonstruktion mit zwei getrennten Spuren für Velos und Fussgänger*innen. 

«Die elegante Brücke ist innovativ und stadträumlich gelungen. Ihre Konstruktion ist optimal auf die Funktion als Fuss- und Veloverbindung abgestimmt. Der bis zu 1,5 Meter breite Grünstreifen wird das Passieren der Brücke angenehm machen und in heissen Sommern kühlen», sagte dazu Simone Rangosch, die Direktorin des Tiefbauamtes, an einer Medienkonferenz. Die Anlage wird rund CHF 75 Millionen kosten. 

Doch bis zur Umsetzung des Vorhabens wird es noch dauern: Für das Jahr 2027 ist eine Volksabstimmung geplant. Der Baubeginn könnte dann frühestens 2028 erfolgen. Nachdem der Negrellisteg, der unweit des Hauptbahnhofs über die Gleise spannt, von der Bevölkerung bereits gut angenommen wird, dürfte das Projekt gute Chancen auf Realisierung haben.

 

An ihrem nördlichen Ende wird die neue Brücke unter dem Wipkingerviadukt hindurch mit dem Lettenviadukt verbunden. Über dieses gelangen Fussgänger*innen und Velofahrer*innen weiter bis ins Quartier Unterstrass jenseits der Limmat. (Visualisierung: Swiss Interactive)
Bis zum 10. Mai 2022 werden Modelle aller eingereichten Projekte aus dem Studienauftrag in der Limmathall (Hardturmstrasse 122, 8005 Zürich) ausgestellt.

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