Der Klarheit verpflichtet

Manuel Pestalozzi
13. Dezember 2019
In der 1966 fertiggestellten Piuskirche von Meggen (LU) von Franz Füeg finden die Vernunft und das Bedürfnis nach Spiritualität zusammen. (Foto: Manuel Pestalozzi)

In den vergangenen Tagen haben uns zwei Schweizer Persönlichkeiten verlassen, welche über die Landesgrenzen hinaus die Architektur und das Architekturverständnis wesentlich mitprägten: Werner Blaser und Franz Füeg. Beide strebten nach Klarheit bis ins Detail, beide hinterlassen zeitlose Werke.

Werner Blaser, geboren 1924, stammte aus Basel. Ursprünglich als Möbelschreiner ausgebildet, reiste er viel und zielstrebig in Sachen Architektur und Design, blieb seiner Heimatstadt aber immer treu – nicht zuletzt als «Urvater» der Stiftung Architektur Dialoge und als Mitglied von deren Patronatskomitee. Als junger Architekt kam er auch mit Alvar Aalto und Ludwig Mies van der Rohe in Kontakt. Er erforschte zudem ausgiebig die traditionelle Architektur Japans und Chinas.

Werner Blaser arbeitete als Architekt und Designer, er organisierte auch in der ganzen Welt Ausstellungen mit seinen Fotos. Am bekanntesten ist er wohl für seine Bücher, insbesondere die Werkmonographien zu Ludwig Mies van der Rohe. Mit Schwarz-Weiss-Fotografien und Planzeichnungen brachte er vielen Generationen angehender Architekt*innen dessen Werk und Entwurfsprinzipien nahe. Alle seine Bücher verfolgen didaktische Ziele, insbesondere wollen sie die Aufmerksamkeit auf das Zusammenspiel der verschiedenen Bauelemente, der Materialien und die Kunst des gekonnten Fügens lenken. Sie sind zudem auch noch schlicht schön und ein ästhetischer Genuss. Werner Blaser entwickelte als Buchgestalter, Fotograf und Zeichner einen eigenen Stil. Dieser ist ebenso zeitlos wie die Architektur und das Möbeldesign, welche die Bücher zum Thema haben. Werner Blaser ist am 8. Dezember 2019 verstorben. 

Werner Blaser schrieb und gestaltete grossartige Bücher. (Foto: Manuel Pestalozzi)

Franz Füeg, geboren 1921, wird zur Solothurner Schule gezählt. Er stammte aus der Aarestadt, absolvierte eine Lehre als Hochbauzeichner und führte später dort über längere Jahre ein Büro. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er in den Niederlanden und kam mit vielen Architekten der holländischen Moderne in Kontakt. Von 1958 bis 1961 war Franz Füeg Redaktor der Fachzeitschrift Bauen und Wohnen, von 1971 bis zu seiner Emeritierung 1987 Professor an der EPF Lausanne. 

Die Karriere von Franz Füeg wird gewissermassen überstrahlt von einem Werk: der Piuskirche in Meggen (LU). Sie wurde in den Jahren 1964 bis 1966 erbaut und zählt weltweit zu den wichtigsten Sakralbauten des späteren 20. Jahrhunderts. Die Schlichtheit der Stahlkonstruktion wird sublimiert durch eine Ausfachung mit dünnen, lichtdurchlässigen Marmorplatten. Sie füllen das Gotteshaus mit einem milden, freundlichen Licht und ermöglichen, dass die Kirche in der Nacht wie eine Laterne leuchten kann. Der Bau ist eine eindrückliche Erinnerung daran, dass die Menschen auch heute unvermindert auf der Suche nach Spiritualität, Trost und Einkehr sind. Die Architektur muss und kann dafür Gefässe bieten. Franz Füeg ist am 24. November 2019 verstorben.

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