Die Erde als Thema in der Architektur

 Susanna Koeberle
26. November 2018
Die Erde als Kunde: Wird Ökologie das nächste Biennalethema? Bild:sk
Bei einem der Schlusspanels weiteten die beiden Kuratorinnen der diesjährigen Architekturbiennale ihr Thema des «Freespace» auf die Erde aus.
In ihrem Manifest Frespace berufen sich Shelley McNamara und Yvonne Farrell auf Begriffe wie «Freiheit», «Menschlichkeit» oder «Grosszügigkeit». Was das freilich mit Architektur oder mit dem Alltag von Architektinnen und Architekten zu tun hat, wird im Dunkeln gelassen. Nichtsdestotrotz ist es nicht verkehrt statt «nur» über Türfallen und Bodenbeläge auch mal über philosophische Prämissen dieser Disziplin nachzudenken: über Raum, zum Beispiel. Der Raum, der von Architektur strukturiert wird, wurde an einem der letzten Panels der Biennale gar auf die Erde selber ausgeweitet. Das angekündigte  Thema «The Earth as a Client» (das auch im Manifest erscheint) liess eher an ein Umwelt-Symposium denken als an eine Veranstaltung einer Architekturbiennale. Die Zusammensetzung der geladenen Gäste erstaunte zunächst. Pritzkerpreisträger Rafael Moneo sass zwischen Mary Robinson, der ehemaligen irischen Staatspräsidentin und UN-Sondergesandten für Klimawandel, und Barry Bergdoll, Kurator am MoMA. Die junge chinesische Architektin Xu Tiantian (deren Arbeit in der Hauptausstellung sowie im chinesischen Pavillon zu sehen war) und die Architekturhistorikerin und Urbanistin Simone Rots (die verschiedene urbane Gemeinschaftsprojekte angeregt hat) rundeten zusammen mit McNamara und Farrell das Panel ab.

Die einleitenden Vorträge zeigten allerdings, dass die thematischen Schwerpunkte wenig miteinander in Beziehung standen. Es entwickelte sich deswegen kaum eine fruchtbare Diskussion, was vielleicht an der fehlenden Moderation lag. Herausragend und brillant waren die Bemerkungen von Mary Robinson. Sie schrieb Kultur (wozu sie auch Architektur zählte) eine entscheidende Rolle zu bei der Entwicklung eines Narrativs, das den Menschen aufzeigen könne, worum es bei den aktuell akuten Problemen gehe. Wir hätten 12 Jahre Zeit, um die CO2-Emissionen um 45% zu reduzieren, sonst werde der Klimawandel noch stärkere Schäden anrichten als heute, gab sie zu bedenken. Auch Architektur nutzt die Ressourcen unseres Planeten. Nachhaltigkeit ist ein Thema, das immer etwas unsexy daherkommt. Es erschöpft sich schnell in Zahlen und Diagrammen, welche als störend für den Entwurf erscheinen. Auch diesbezüglich bräuchte es ein neues Narrativ.

Dem Trend, beim Thema Ökologie nicht nur Städte zum Thema zu machen, kam Xu Tiantian nach, die vor allem in ländlichen Gebieten baut. Mit dem Konzept einer architecture acupuncture möchte sie dazu beitragen, die Landflucht einzudämmen und die ökonomische Situation der ruralen Bevölkerung zu verbessern – das gelingt ihr auch. Solche Entwicklungen und Fragestellungen kennen wir auch aus der Schweiz. Dass das Lokale grosse Auswirkungen auf das Globale haben kann, betonte auch Robinson. Sie unterstrich dabei die Rolle der Frauen bei Strategien des Klimawandels. Es seien lokale Gemeinschaften und ihr Verhalten, die konkrete Verbesserungen bewirken würden. Ihre Stiftung für Climate Justice engagiert sich in solchen Belangen. Gerade die Biennale sei auch eine Plattform, um solche Themen zu verbreiten, findet die Aktivistin. Wer weiss, vielleicht wird sich das Thema der nächsten Biennale diesen Fragen widmen?
Auch in Venedig sind die Folgen des Klimawandels zu spüren. Bild: sk

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