Die Geschichte des Barragán-Nachlasses

Manuel Pestalozzi
26. August 2019
Luis Barragán, «Fuente de Los Amantes», bei Mexiko-Stadt (Foto: Susleriel via Wikimedia Commons)

Der Nachlass des mexikanischen Architekten Luis Barragán befindet sich in der Schweiz. Das ist kein Zufall, sorgt aber für Kontroversen. Die Süddeutsche Zeitung hat kürzlich darüber berichtet.

«Ein Krimi aus Mexiko-Stadt und Birsfelden», schreibt Autor Frank Steinhofer im Lead seines Artikels für die Süddeutsche Zeitung. Nun, von Straftaten kann er nicht berichten, doch manche werden vom Standort des Nachlasses von Luis Barragán im Kanton Basel-Landschaft überrascht sein. Denn ein direkter Zusammenhang zwischen ihm, seinem Werk und der Schweiz lässt sich schwer konstruieren. Der Architekt hatte zur Eidgenossenschaft soweit bekannt keine Beziehung.

Aber hierzulande ist die Möbelfirma Vitra zu Hause, die sich für Architektur- und Designangelegenheiten in der ganzen Welt interessiert und engagiert und sich auch mit ihrer Sammlertätigkeit international einen Namen macht. Wer hier den Zusammenhang vermutet, liegt richtig: Rolf Fehlbaum, damals Chef von Vitra, wurde der Nachlass des 1988 verstorbenen Architekten angeboten und er erstand ihn 1995. Zuvor gehörte er dem Studiopartner Raúl Ferrera, nach dessen Suizid der Witwe Rosario Uranga. Sie versuchte, das Archiv an die mexikanische Regierung und heimische Institutionen zu verkaufen. Ohne Erfolg, wie Steinhofer schreibt. So kam das Konvolut in den Besitz der eigens dafür gegründeten Barragan Foundation (Barragan ohne Akzent, wie der New Yorker präzisiert), Architektin Federica Zanco ist seither mit der Archivarbeit betraut – und heiratete später Rolf Fehlbaum, was Lästerzungen in Bewegung setzte.

In Mexiko sorgt die Situation für Unzufriedenheit. Der Ärger ist nicht nur durch die geographische Distanz zur Schweiz begründet, für Aufregung sorgt auch der angeblich schwere Zugang zum Archiv und die strenge Kontrolle des Copyrights. Dies mache eine Auseinandersetzung mit Barragán unmöglich, ist zu vernehmen. Der Barragan Foundation muss man allerdings zugute halten, dass sie das Werk fachgerecht konserviert und archiviert. Offenbar war es zum Zeitpunkt des Kaufs in einem kläglichen Zustand. In schlechten Händen liegt es in Birsfelden gewiss nicht. Von 2000 bis 2003 tourte zudem eine Ausstellung durch verschiedene Länder. In der Süddeutschen Zeitung wird auch darauf hingewiesen, dass die Erlöse aus der Lizenzierung die Stiftung finanzieren. Eine kommerzielle Verwertung lehne die Barragan Foundation strikt ab. Aber die Frage, ob ein solches Erbe nun ein nationales oder ein globales Kulturgut darstellt, wird wohl noch für weitere Diskussionen sorgen.

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