Die neue Altstadt

Inge Beckel
2. Oktober 2017
Nachbauten und Neubauten. Bild: ib

Frankfurt wird zuweilen Mainhattan genannt. Gewisse Bewohnerinnen der deutschen Bankenmetropole aber meinen, Hochhäuser habe die Stadt genug.

Nachdem das alte Zentrum Frankfurts nach dem Zweiten Weltkrieg stark zerbombt gewesen war, musste es zu grossen Teilen wiederaufgebaut werden. In den 1950er-Jahren wurden einige Bauten im Umfeld des historischen Römerbergs im kleinteiligen Massstab der mittelalterlichen Altstadt errichtet, formal jedoch in abstrakt moderner Formensprache gehalten. Zwischen Römer und Dom wurde in den 1970-Jahren das so genannt Technische Rathaus gebaut, ausformuliert als ein zusammenhängender Komplex mit drei unterschiedlich hohen Waschbeton-Türmen. Dieser hätte aufwendig saniert werden müssen.
 
Die Stadtverantwortlichen entschieden, den Komplex abzureissen. Ein Wettbewerb für Ersatzbauten wurde durchgeführt und ausgelobt. Mit dem Resultat jedoch, einem erneut grösseren Gebilde, waren zahlreiche Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt nicht einverstanden. Schliesslich entwickelten Stadtplaner, Architekten und interessierte Bürgerinnen in einer Planunsgwerkstatt das Konzept einer altstadttypischen, kleingliedrigen Bebauung auf historischem Stadtgrundriss.
 
Seit dem Abrisss des Technischen Rathauses 2010 ist die neue Altstadt in Bau, wobei auf dem rund 7000 Quadratmeter grossen Areal zwischen Römer und Dom 35 Häuser neu gebaut werden – 15 als so genannte Nachbauten und 20 als Neubauten. Noch ist das Areal eingezäunt. Mit seinen Gassen und Plätzen und den zahlreich geplanten Erdgeschossnutzungen verspricht das Gebiet aber ein stadträumlich differenziertes Ensemble.

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