Die Uhr tickt!

Elias Baumgarten
6. Januar 2020
Foto © Countdown 2030

Das Thema Klimawandel beherrscht aktuell die politische Debatte und die Schlagzeilen. Während im Westen – wie mittlerweile leider üblich – emotional diskutiert und vor allem gefordert wird, doch wenig geschieht, wird andernorts bereits seit längerem an einer positiven Veränderung gearbeitet. So rollen mittlerweile zum Beispiel über 380'000 E-Busse auf Chinas Strassen und sorgen für spürbar bessere Luftqualität in den Städten – 5'000 sind es im Rest der Welt. Die Chinesen sparen durch ihre E-Busflotte 41 Millionen Liter Diesel – jeden Tag. Allerdings: Das Land erzeugt zugleich noch grosse Mengen seines Stroms durch die Verbrennung von Kohle. Und Batterien mit Kobalt und Lithium sind bekanntermassen problematisch. Dennoch könnte man sich in Europa an Chinas Geschwindigkeit, Konsequenz und Innovationskraft ein Beispiel nehmen.

Und die Bauwirtschaft?

Doch weg von Chinas Strassen und zurück zum hiesigen Diskurs: Bemerkenswert an ihm ist, dass, derweil Kohlekraftwerke, Flugzeuge, Kreuzfahrtschiffe und Autos mit Verbrennungsmotoren längst zu Recht kritisch betrachtet werden, die Bauwirtschaft vergleichsweise kaum Beachtung findet. Dabei verursachen Bauten und ihr Unterhalt heute etwa 40 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses. Hier setzt die Gruppe «Countdown 2030» nun an. Ihre Mitglieder wollen, nachdem kürzlich bereits zehn Schweizer Architekturbüros den Klima- und Biodiversitätsnotstand ausgerufen haben, alle am Bau Beteiligten auf die Folgen ihres Handelns für unsere Umwelt aufmerksam machen. Aufgeklärt werden soll mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen im ganzen Land über einen Zeitraum von zehn Jahren. Ein Jahrzehnt deshalb, weil Expert*innen wie der deutsche Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber warnen, dass alle wesentlichen Weichenstellungen (Verzicht auf Kohleverstromung, Verbrennungsmotoren und Zement als Baumaterial) innert dieser Dekade vorgenommen werden müssen, um die negativen Folgen der Klimaveränderung zu limitieren.

Nach Meinung von Klimaforscher*innen verbleiben noch zehn Jahre, um die Folgen des Klimawandels einzudämmen. (Foto © Countdown 2030)
Sensibilisierung und Aufbruch

Als erste Aktion wurde am 1. Januar dieses Jahres ein Countdown über dem Eingang des Schweizerischen Architekturmuseums S AM und der Kunsthalle Basel montiert. Beide Institutionen teilen die Ziele der Gruppe. Die symbolträchtige Intervention soll die zeitliche Dringlichkeit des Problems unterstreichen und das Anliegen von «Countdown 2030» in die Öffentlichkeit tragen. Die Gruppe hofft, Architekt*innen durch ihre Arbeit anspornen zu können, den Menschen künftig eine nachhaltige Lebensweise zu ermöglichen. Dass dies machbar ist, zeigen bereits umgesetzte Bauten wie der Bürokomplex «Powerhouse Brattørkaia» von Snøhetta im norwegischen Trondheim, der halb so viel Energie verbraucht, wie er produziert. Wir hoffen, dass «Countdown 2030» rasch innovative, klimafreundliche Projekte in der Schweiz anstossen wird.


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