Diese Fassade soll leben

 Manuel Pestalozzi
9. Juli 2018
Es scheint eine «saftige» Angelegenheit zu werden. Die geplante begrünte Fassade an der Löwenstrasse erstreckt über sechs Geschosse. Bild: Heredium
Heredium Immobilien will eine Fassade im Zentrum von Zürich begrünen. Davon verspricht sich die Betreiberin der Liegenschaft zahlreiche Segnungen für das Haus und den Stadtraum.
Das Haus befindet sich in einer nach Nordwesten orientierten Zeile an der Löwenstrasse. Diese verläuft parallel zur Bahnhofstrasse und ist als Allee konzipiert, die im Moment etwas schütter wirkt. Ältere Semester unter uns mögen den Bürobau als «Manpower-Haus» in Erinnerung haben, war es doch lange Sitz des bekannten Vermittlers von Temporärstellen. Die aktuelle Fassade mit den annähernd quadratischen Kippfenstern, die mit ihren breiten Rahmen flächig in einer Verkleidung aus gerahmten, gefärbten Glaselementen sitzen, ist unauffällig und eigentlich ziemlich attraktiv und dem Ort angemessen.
 
Die Heredium Immobilien AG, welche die Liegenschaften Löwenstrasse 56 und 58 im Auftrag der Eigentümierin Helios betreut, will diese Fassade, die über den Schaufenstern auf Strassenniveau auch einen schmalen, durchlaufenden Balkon besitzt, jetzt begrünen. Auf einigen Feldern spriesst es testweise schon jetzt. Die Rede ist von Living Walls, die in modernen Metropolen «klare architektonische Kontraste» setzen sollen, wie es in der Pressemitteilung heisst. Am Leben gehalten werden soll die sich über rund 180 Quadratmeter erstreckende lebende Wand durch ein (computergesteuertes!) Bewässerungssystem.
 
Die Segnungen dieser Innovation sind laut Heredium zahlreich: Das Grün bekämpft die Luftverschmutzung, den Lärm, es kühlt und dämmt und fördert erst noch die innerstädtische Artenvielfalt – auch wenn die sich einnistende Fauna vielleicht nicht immer von der Art ist, die sich der Mensch als nahen Nachbarn wünscht. Klar ist: Diese Fassade wird laufend bewirtschaftet werden müssen. Heredium stammt aus Holland, wo Living Walls in grösseren Städten offenbar schon länger im Einsatz sind. In Zürich muss man für ein solches Projekt zahlreiche bürokratische Hürden nehmen, wie die NZZ in Erfahrung gebracht hat. Die Regie bei diesem Unternehmen führt die mépp ag, die Bewilligungsphase läuft. Wir halten die Augen offen.
 
Heute sind bereits einige begrünte Testfelder zu begutachten. Bild: Manuel Pestalozzi

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