DIVIA-Award: Internationaler Förderpreis für Architektinnen

Katinka Corts
11. April 2022
Die Gründerinnen des Vereins Diversity in Architecture (DIVIA): Ursula Schwitalla und Christiane Fath (Foto: Jasmin Schuller)

Ursula Schwitalla und Christiane Fath möchten Architektinnen mehr Sichtbarkeit verschaffen. Mit Gleichgesinnten haben sie den Verein Diversity in Architecture gegründet und einen eigenen Architekturpreis aufgegleist. Katinka Corts berichtet aus Berlin. 

Dieser Beitrag wurde von german-architects.com übernommen.
«Wir sorgen uns um alle Minderheiten in der Architektur, aber unser erster Schritt ist, Frauen sichtbar zu machen. Wenn wir den Gender Gap mit dem DIVIA-Award reduziert haben – als Teil des grösseren Mosaiks –, richten wir den Blick auf andere Ungerechtigkeiten.»

Dr. Ursula Schwitalla, Chair und Founder von DIVIA, Kunsthistorikerin, Vorsitzende der Tübinger Kunstgeschichtlichen Gesellschaft, Lehrbeauftragte und ausserordentliches Mitglied des BDA

«Es ist ein bisschen absurd, dass man im Frühjahr 2022 hier steht und erklärt, warum ein solcher Preis wichtig ist. Ich wünsche euch und uns, dass der Preis sehr schnell fortschreitet und die aktuelle Fixierung auf Frauen in ein paar Jahren hinter sich lassen kann. Ich wünsche mir grosse Diversität in der echten Arbeitswelt.»

Dr. Dirk Boll, Co-Founder von DIVIA und Professor am Institut für Kultur- und Medienmanagement der Universität für Musik und Theater in Hamburg

 

Vorurteile, strukturelle Benachteiligung, männliche Führungselite: Es gibt viele Gründe, wieso immer wieder dieselben Architekten mit ihren Büros im Rampenlicht stehen, wieso ihre Präsenz immer wieder medial reproduziert wird. Einen «toxischen Starkult um alte weisse Männer» nennt Ursula Schwitalla das. Immer noch sind Architektinnen in der Führung von Büros und im akademischen Bereich unterrepräsentiert – und damit auch in der öffentlichen Wahrnehmung. «Wenn selbst im Jahr 2016 beim Eröffnungspodium der Architekturbiennale in Venedig neben Alejandro Aravena nur ältere Herren sitzen, dann kann da etwas nicht stimmen», so die Kunsthistorikerin. 

Aus der von ihr kuratierten Vortragsreihe «Architektur Heute» an der Universität Tübingen über Frauen in der Architektur entwickelte Schwitalla das Buch «Women in Architecture», das vergangenes Jahr im Verlag Hatje Cantz erschienen ist. Jedoch könne, so sagte sie an der Vorstellung des neuen Architekturpreises für Frauen des Vereins Diversity in Architecture (DIVIA) in Berlin, eine eigene Auszeichnung für Architektinnen noch wesentlich mehr Sichtbarkeit für Frauen in der Architektur ermöglichen. Das Verhältnis zwischen geehrten Architekten und Architektinnen über alle Auszeichnungen hinweg läge aktuell noch bei 80 zu 20 – Frauen kämen mittlerweile zwar mehr ins Blickfeld, aber nur sehr langsam.

 

Foto: Jasmin Schuller
«The Challenge is very big in front of us. What really strikes me about DIVIA is that there are representatives from all over the world. These ambassadors and representatives in all these countries are able to really reach beyond our personal networks; they are able to build those bridges. It will take more time and more effort but it is really worthwhile.»

Melodie Leung, Associate Director bei Zaha Hadid Architects

«It’s a pleasure to be part of the first jury for the diversity in architecture award. I’m passionate about architecture, I’m also passionate on opening up the field to new talent, especially for women and other minorities. They have so much to contribute to the field and for reasons that perhaps we can explain but are not fair, they’ve been neglected in the past. I think that the way forward for communities is through great architecture, understanding cities, and bringing in diversity in everything we do create the most rich, interesting, and positive ways forward.»

Martha Thorne, Architektin und Dekanin der IE School of Architecture and Design in Madrid

Beim künftig alle zwei Jahre zu vergebenden Preis soll das internationale Advisory Board eine Longlist erstellen, aus der die Jury zunächst Architektinnen für eine Shortlist selektiert und schliesslich eine Gewinnerin kürt. Alle fünf Finalistinnen dürfen danach ihre Arbeit im Rahmen einer Wanderausstellung sowie einer Publikation zeigen. Die Schau soll in Berlin, Wien, São Paulo und im Herkunftsland der Preisträgerin zu sehen sein. Die Initiator*innen sind sich einig: Bestenfalls wird der Preis in einigen Jahren nicht mehr explizit auf die Förderung von Architektinnen ausgerichtet sein und kann dann dazu beitragen, anderen Minderheiten zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. 

In der männerdominierten Arbeitswelt kann auf den Beitrag der vielen Fachfrauen in der heutigen Zeit schlichtweg nicht mehr verzichtet werden. Architektinnen sichtbar zu machen, ihre Arbeiten anzuerkennen und zu würdigen, sie zu Vorbildern für jüngere Generationen zu machen – was selbstverständlich klingt, ist laut Melodie Leung, die bei Zaha Hadid Architects in London arbeitet und sich für DIVIA als Botschafterin engagiert, ein langer Weg: «It will take more time and more effort, but it is really worthwhile. It’s great to be part of it and to kick that off – but we have a lot to do ahead of us.» 

 

Infografik: DIVIA

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