Eigene Werte überprüfen

Inge Beckel
4. Oktober 2019
Die Publikationen «Informalize!», «Collectivize!», «Empower!» und «Reform!» entstanden an Marc Angélils Lehrstuhl. (Foto: Inge Beckel)

Nach einem Vierteljahrhundert Lehre und Forschung an der ETH Zürich gab Marc Angélil Anfang Oktober 2019 in einem zum Bersten gefüllten Audi Max seine Abschiedsvorlesung.

Angélil spannte einen weiten Bogen über Architektur und Städtebau im frühen 21. Jahrhundert, weltweit. Jedoch war dieser keineswegs das grosse Lob für die Werke der eigenen Disziplin von Planenden und Bauenden. Nein, vielmehr warf Angélil einen kritischen bis sehr kritischen Blick auf das Geschehene und weiter Geschehende und verortete es im grösseren gesellschaftlichen Kontext. Dabei liess er weder die zeitweilige Zusammenarbeit der Baubrache mit nach Macht und Glamour gierenden Autokraten noch die fehlende Partizipation von Betroffenen aus. Gegen Ende seiner dichten Rede zeigte er hoffnungsvolle Beispiele, bei denen Menschen und Umwelt Gehör und Berücksichtigung bei Neubauten sowie Aufwertungen von Bestehendem finden.

Schliesslich gehe es für uns alle darum, so Angélil, die eigenen Werte zu überprüfen, und um die Frage, wie wir in Zukunft zusammenleben wollten, wobei wir uns stets auf partnerschaftlicher Basis begegnen sollten. Trotz der spürbaren Missbilligung bei vielem des Gezeigten – den Anwesenden wurde über gewisse Strecken der Spiegel vorgehalten – verabschiedete das Publikum den frisch Pensionierten mit Standing Ovations. Im Anschluss wurde in der Halle des ETH-Hauptgebäudes die Ausstellung «Tales of Territory: Anthropocene, Urbicene, Capitalocene», eine Archäologie des Territoriums, eröffnet.

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