Eine Glocke für das Hunziker-Areal

Susanna Koeberle
21. August 2018
Teile der vorbereiteten Gussform für «Die Glocke», Hauptkörper und Krone. Bild: Kunstgiesserei St. Gallen

Am Samstag, 25. August können Interessierte dem Giessen einer Glocke beiwohnen. Ein Kunstprojekt von Baltensperger + Siepert im Rahmen von «Neuer Norden Zürich».

Eine Glocke, die nicht klingt? Vergraben in der Erde? Und die sich dazu noch ein Kunstwerk nennt? Was wie eine Absurdität klingt, ist indessen Programm und eine typische Arbeit des Duos Baltensperger + Siepert. Mit ihrer Arbeit Die Glocke sind beiden in Zürich lebenden Künstler Teil von Neuer Norden Zürich, einem temporären Ausstellungsprojekt im öffentlichen Raum in Zürich Nord. Das von der Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) organisierte und von Christoph Doswald kuratierte Kunstprojekt befasst sich mit der Transformation und Entwicklung des städtischen Lebensraums.
 
Und wie kommt da eine Glocke ins Spiel? Stefan Baltensperger und David Siepert luden die Bevölkerung des Hunziker-Areals dazu ein, ihre Aluminiumabfälle in einem speziell dafür aufgestellten Container zu entsorgen. Dies nicht (nur) mit dem Zweck, die Menschen für das Thema ökologische Abfallentsorgung zu sensibilisieren, sondern mit dem Ziel der Rohstoffbeschaffung. Die Glocke wird nämlich genau aus diesem gemeinschaftlich gesammelten Aluminium gegossen werden. Das nennt sich Partizipation – und passt in dieser Hinsicht zur genossenschaftlichen Wohn- und Gewerbeanlage «mehr als wohnen». Das Projekt ist allerdings keine Spontiaktion, sondern wurde von langer Hand vorbereitet. Ein Prototyp der Glocke wurde in der Kunstgiesserei St.Gallen gegossen. Diesen Samstag um 18 Uhr wird dann das «eigentliche» Kunstwerk vor Ort in die Erde gegossen; nur der oberste Teil der Glocke wird aus der Erde herausragen. Solche Prozesse bilden den Kern der Arbeit von Baltensperger + Siepert. Obwohl die Glocke grösstenteils verborgen bleiben wird, legen die Künstler Archäologen gleich Spuren frei. Denn die Erinnerung an die kollektive Aktion wird durch ihre Verhüllung quasi potenziert. Erinnerung stellen wir selbst her – wie dieses Kunstwerk.

Die Krone der Glocke, die aus der Erde ragen wird. Bild: Kunstgiesserei St. Gallen

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