Eine Heizzentrale als Austauschplattform: Das Student Project House der ETH Zürich ist eröffnet

Manuel Pestalozzi
1. November 2021
Die Raumatmosphäre im Student Project House erinnert noch an die einstige Nutzung des Zweckbaus als Heizzentrale «an bester Adresse». (Foto: Jasmin Frei © ETH Zürich)

Auf 1200 Quadratmetern können Studierende aus allen Fachrichtungen künftig ohne Druck an ihren Projekten arbeiten. Das renovierte Gebäude eignet sich gut für die neue Nutzung.

Mit dem Hochkamin des Fernheizkraftwerkes hatte Otto Rudolf Salvisberg (1882–1940) anfangs der 1930er-Jahre die Gelegenheit, unweit der Kuppel des ETH-Hauptgebäudes und dem Turm der Universität Zürich selbst einen Akzent in der Silhouette des Zürcher Hochschulquartiers zu setzen. Le Corbusier war von dem skulpturalen Bauwerk begeistert, und sogar Pablo Picasso fand lobende Worte. 

Dieses Foto aus den 1930er-Jahren zeigt das Salvisberg-Ensemble an der Clausiusstrasse mit dem Fernheizkraftwerk und dem Textilmaschinenlaboratorium. (Foto: unbekannt © ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv)

Der denkmalgeschützte Bau ist aktuell eingerüstet. Die Sanierung des Ensembles innerhalb des Maschinenlaboratoriums, die das Architekturbüro Itten Brechbühl als Generalplaner verantwortet, ist nämlich noch nicht abgeschlossen. Auch die künftige Funktion des Kamins liegt noch im Nebel. Dennoch lohnt es sich schon jetzt, auf das fertiggestellte Student Project House im umgebauten Kesselhaus mit seinen markanten Betonsprossenfenstern aufmerksam zu machen. Alle Studierenden und Doktorierenden der ETH Zürich erhalten dort die Gelegenheit, ihre Ideen umzusetzen – und das ohne den Druck, Kreditpunkte sammeln zu müssen. Ausdrücklicher Wunsch der ETH-Leitung ist, dass man sich in dem «Think- und Makerspace» Fähigkeiten aneignen kann, die über die Inhalte des jeweiligen Fachstudiums deutlich hinausgehen. 

Das Student Project House bietet auf fünf Geschossen mehrere Workshop-Bereiche, die sich durch ihren modularen Aufbau an individuelle Bedürfnisse anpassen lassen. Verschiedene Lounges sowie die gemeinsame Küche und die Dachterrasse sollen den kreativen Austausch und die Vernetzung unter den Studierenden fördern. Neben zahlreichen Coworking-Plätzen steht ihnen auch eine Werkstatt im Erdgeschoss zur Verfügung. Ein grosser Vorteil des Hauses ist seine sehr zentrale Lage an der trotzdem vergleichsweise ruhigen Clausiusstrasse. Als Begegnungsort hat das Gebäude schon fast die Pflicht, von sich hören zu lassen. Jedenfalls scheint der alte Bau wie gemacht für seine neue Nutzung.

Der neue Eingang zum Sichtbetonbau des Kesselhauses (Foto: Manuel Pestalozzi)

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