Einen, zwei, drei Schimmer

 Manuel Pestalozzi
13. Dezember 2017
Homogenes Keid, bauphysikalisch/konstruktiv diverses Dahinter. Die Fassade des Futurium in Berlin. Bild: © Arup / Rossmann
Ein innovatives, modulares Fassadensystem aus vorgefertigten Glas-Metallkassetten schafft bei transparenten und opaken Gebäudeanteilen eine durchgehende optische Tiefe. Erfunden haben es Richter Musikowski und Arup, angewendet wird es beim Futurium.
Wie ein Paillettenkleid sieht sie aus, die Vorhangfassade von morgen. Ihre Mütter sind die steigenden energetischen Anforderungen am Bau, ihre Väter die Jungarchitekten Richter Musikowski und das Ingenieurbüro Arup. Beim kürzlich fertiggestellten Futurium in Berlin spannten sie zusammen und zeigen an diesem Gebäude, wie eine nahtlose Integration von transparenten und opaken Gebäudeanteilen und eine durchgehende optische Tiefe erzielt werden können.
 
In enger Zusammenarbeit mit der Industrie entstand ein innovatives, modulares Fassadensystem, das aus vorgefertigten Glas-Metallkassetten besteht. Das optische Zusammenspiel reflektierender, transluzenter und transparenter Oberflächen und deren mehrlagige Anordnung führt zu einem schimmernden Fassadenkleid, das sich abhängig von Tageszeit, Lichtverhältnissen und Betrachtungswinkel stetig wandelt.
 
Homogenität im Ausdruck ist das Thema. Das System ermöglicht fliessende Übergänge von Warm- und hinterlüfteten Kaltfassaden, vertikalen, geneigten und horizontalen Flächen und die Integration von Öffnungs- und Sonderelementen wie Fenster und Türen. Die Stückzahl von über 7500 ermöglichte beim Futurium die vollständige Vorfertigung und Konfektionierung der rautenförmigen Kassetten im Werk. Jede Kassette besteht aus einem teilweise bedruckten Gussglas mit einer Kantenlänge von 70 Zentimetern, das umlaufend mit einem rückseitigen Reflektor aus gekantetem Edelstahl verklebt wird. Erstmals bei einem Bauvorhaben in Deutschland dieser Grössenordnung konnte auf mechanische Sicherungen der Gläser verzichtet werden. «Die Kassette stellt damit eine eigenständige Produktentwicklung dar, die auf den Prinzipien der Circular Economy beruht», sagt Dr.-Ing. Jan Wurm, Leiter Forschung und Innovation in Europa bei Arup.
 
Stellt sich allerdings die Frage, ob man diese mitunter trügerische «Gleichmacherei» in der Fassade überhaupt will, denkt sich der Redaktor. Er sieht aber auch, dass mit derartigen Produkten in der Bekleidungsdebatte vielleicht tatsächlich ein neues, interessantes Kapitel aufgeschlagen wird.

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