Feuer in der Notre-Dame von Paris

John Hill, Elias Baumgarten
16. April 2019
Bild: Al Jazeera/Twitter

In Paris blickten die Menschen am Montagabend erschrocken und voll Schmerz auf die Kathedrale Notre-Dame auf der Seine-Insel. Flammen schlugen aus dem Dach des Wahrzeichens, und eine hohe Rauchsäule stieg gen Himmel. Der hohe, schlanke Dachreiter des Gebäudes stürzte schliesslich ein. Inzwischen ist das Monument jedoch vor der totalen Zerstörung gerettet.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Am vergangenen Montag, dem 15. April 2019, gegen 18.30 Uhr heulten in Paris die Sirenen. Das Dach der Kathedrale Notre-Dame, eines der wichtigsten Wahrzeichen der Seine-Stadt, stand in Flammen. Über dem Gebäude, das gerade renoviert wird, bildete sich eine hohe Rauchsäule. Die Ursache des Feuers war zunächst unklar. Allerdings spekulierte die französische Nachrichtenagentur AFP noch in der Nacht, der Brand stehe womöglich im Zusammenhang mit den Bauarbeiten, die derzeit an der Kirche stattfinden. Und wie die Deutsche Presse-Agentur am Morgen mitteilte, hat die Pariser Staatsanwaltschaft inzwischen Ermittlungen wegen «unbewusster Zerstörung» durch Feuer aufgenommen. Brandstiftung wird demnach zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgeschlossen.

Der Brand breitete sich rasch aus und erfasste die gesamte Holzkonstruktion des Daches. Sie bestand aus jahrhundertealten Eichenbalken. Gegen 20 Uhr stürzte dann der hohe, schlanke Dachreiter ein, der im 19. Jahrhundert unter der Federführung Eugène Viollet-le-Docs aufgesetzt worden war. 

Schaulustige verfolgen den Brand und die Löscharbeiten. Bild: Al Jazeera/Twitter
Langwierige Löscharbeiten

Bis in die späten Abendstunden kämpften 400 Mann der Feuerwehr gegen die Flammen. Lange war unklar, ob das historische Steingewölbe der grossen Hitze standhalten würde. Insbesondere in Gefahr waren die runden Rosen aus Glas, die vor allem das südliche Querhaus zieren und zum wichtigsten und schönsten Schmuck der Kirche zählen. 

Um 23 Uhr gab die Feuerwehr erste Entwarnung. «Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist», sagte Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet der Presse. Insbesondere, so hob er weiter hervor, seien die beiden Haupttürme gerettet. Vor allem der nördliche galt zeitweise als akut gefährdet. Ein Übergreifen der Flammen wurde befürchtet. Im südlichen befinden sich die berühmten Glocken der Kirche.

Die Kathedrale vor dem verheerenden Feuer. Bild: Notre-Dame de Paris
Macron verspricht Wiederaufbau

Am heutigen Dienstag erklärte die Feuerwehr den Brand Frühs für unter Kontrolle. Lediglich einige kleine Glutnester seien noch zu beseitigen, hiess es. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich bestürzt und tief traurig. Man werde die Kirche wieder aufbauen und dafür national wie international Geld sammeln, sagte er. Die Milliardärs-Familie Pinault versprach indes bereits 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau zu spenden, wie französische Medien kürzlich berichteten. Und bis zum heutigen Nachmittag kamen bereits über 300 Millionen Euro zusammen, vor allem durch das Engagement von Grossspendern.

Bundespräsident Ueli Maurer sprach den Franzosen im Namen des gesamten Bundesrates sein Mitgefühl aus. «Ich möchte unsere tiefste Trauer darüber ausdrücken, dass ein von allen so geliebtes Denkmal im Herzen von Paris von den Flammen verwüstet wurde», schrieb er auf Twitter. Auch Barack Obama drückte in dem Sozialen Netzwerk sein Mitgefühl aus: Er postete ein Foto, das ihn mit seiner Familie beim Besuch des Monuments zeigt. Worte der Betroffenheit und des Mitgefühls kamen unterdessen beispielsweise auch aus dem Vatikan und von der UNESCO. Der bundesdeutsche Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: «Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen. Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.» US-Präsident Donald J. Trump riet indes – ebenfalls via Twitter – zum raschen Einsatz eines Löschflugzeuges. 

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