Francis Kéré erhält Jefferson-Medaille

Elias Baumgarten
6. April 2021
Foto: Astrid Eckert

Der Architekt aus Burkina Faso wird ein weiteres Mal ausgezeichnet – zu Recht. Mit der Jefferson-Medaille reiht er sich unter einige der Besten unserer Disziplin ein.

Francis Kéré ist einer der wenigen afrikanischen Architekten, die es trotz aller Hindernisse und Schwierigkeiten im Westen geschafft haben: In Burkina Faso aufgewachsen, kam er dank eines Stipendiums nach Deutschland, wo er eine Lehre als Schreiner abschloss und Abitur machte. Er studierte Architektur an der TU Berlin, heute nennt er die deutsche Hauptstadt wertschätzend seine intellektuelle Heimat. Schon bald zeigte sich der stets positiv eingestellte und gut aufgelegte Architekt als aussergewöhnlich talentiert und engagiert: Noch vor seinem Abschluss erhielt er für Gestaltung und Bau einer Grundschule in seinem Heimatdorf Gando den wichtigen Aga Khan Award for Architecture – sein Durchbruch! Bis heute steht das Projekt wie kaum ein zweites für seine architektonische und soziale Haltung: Er entwarf den Bau, sammelte die nötigen Gelder und realisierte das Projekt schliesslich mit der Dorfbevölkerung.

2005 gründete Kéré ein eigenes Büro, das inzwischen von Berlin und Burkina Faso aus operiert. Neben der praktischen Tätigkeit begann er zu unterrichten – zum Beispiel in der Schweiz an der Accademia di Architettura in Mendrisio, aber auch an der TU München, der Harvard Graduate School of Design und in Yale. Immer wieder wurde er für seine Arbeit ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem Global LafargeHolcim Award (2012) und dem Swiss Architecture Award (2010). Auch waren seine Projekte in verschiedensten Ausstellungen zu sehen, etwa wiederholt im Architekturmuseum der TU München oder an der Architekturbiennale von Venedig. 

Trotz seines internationalen Erfolges hat Kéré seine Wurzeln niemals vergessen und arbeitet vor allem an sozial und ökologisch nachhaltigen Bauwerken in Entwicklungsländern. Virtuos ist dabei sein Umgang mit lokalen Baustoffen wie Lehm und den Gegebenheiten vor Ort. Mit seinem neuen Atelier in Gando möchte er den Austausch zwischen Mitteleuropa und seiner afrikanischen Heimat stimulieren. Studierende der TU München arbeiten dort beispielsweise mit der lokalen Bevölkerung zusammen, mit einheimischen Handwerker*innen und Gestalter*innen. Ein Schlüsselprojekt, das in diesem Zusammenhang weiterhin zu nennen ist, ist das Operndorf Afrika, das in mehreren Etappen nordostwärts der Hauptstadt Burkina Fasos entsteht. Die Idee zum Vorhaben entwickelten Christoph Schlingensief, ein deutscher Film- und Theaterregisseur, und Kéré 2009, Schirmherr ist Horst Köhler, ehemals deutscher Bundespräsident. Auch bei diesem Projekt setzt der Architekt in gleichem Masse auf sein in Europa erworbenes Wissen und regionale Naturbaustoffe. Die Menschen vor Ort werden von seinen Mitarbeiter*innen geschult, damit sie künftig mit ihren eigenen Mitteln ihre eigenen (nachhaltigen) Projekte vorantreiben können.

«Thomas Jefferson believed that each person should make a contribution proportioned to the bounties which nature and fortune have measured. This year’s Medalist in Architecture, Francis Kéré, embodies the spirit of this charge through his selfless, determined work. While we are disappointed that we cannot award this honor to him in person, we are inspired by his creativity and commitment to the public good and hope to welcome him to Charlottesville in the future.»

Leslie Greene Bowman, Präsidentin und CEO der Thomas Jefferson Foundation

Nun also würdigt die amerikanische Jefferson Foundation gemeinsam mit der University of Virginia Francis Kéré. Die Jefferson-Medaille wird seit 1966 vergeben, unter den Preisträger*innen sind viele klangvolle Namen – in den letzten Jahren etwa Marion Weiss und Michael Manfredi, Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa, David Adjaye, Yvonne Farrell und Shelly McNamara, Cecil Balmond, Herman Hertzberger, Toyo Ito, Laurie Olin und Rafael Moneo. Aufgrund der auch in den Vereinigten Staaten noch immer sehr angespannten epidemiologischen Lage wird die feierliche Preisverleihung als Online-Event stattfinden – wie schon im ersten Pandemiejahr.

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