Designers' Saturday

Gastland Japan gewinnt

 Susanna Koeberle
7. November 2018
Die Installation von Naoki Terada und Koichi Suzuno gewann denn Grand Prix (ex aequo mit ClassiCon). Bild: zvg
Schönheit gehört in Japan zum Alltag. Dass diese Haltung auch hierzulande ankommt, zeigte der Auftritt von japanischen Designern, Architekten und Handwerkern am diesjährigen Designers’ Saturday.
Der Designers’ Saturday (wir berichten auch über weitere Highlights) lud zum ersten  Mal ein Gastland nach Langenthal ein. Der neue Kurator Jan Geipel konnte dabei auf ein gutes Netzwerk in Japan zurückgreifen. Gemeinsam mit Japankenner Patrick Reymond von atelier oï konnte er verschiedene Designer, Architekten und Handwerker dafür gewinnen, ihre Arbeit im Depot für Design zu präsentieren. Dass eine dieser Präsentationen mit einem DS-Award prämiert wurde, ist ein schönes Zeichen, welches das Weiterentwickeln dieses Formats (und des ganzen DS) begünstigen könnte. Eine Neuorientierung tut nach 30 Jahren gut, auch wenn dies am Anfang mit Skepsis und einer gewissen Zurückhaltung seitens der Hersteller aufgenommen wurde. Die Präsentation von Naoki Terada und Koichi Suzuno (Design: Naoki Terada, inter.office, Terada Design / Koichi Suzuno, TORAFU ARCHITECTS) gewann den Grand Prix ex aequo mit ClassiCon (Design: Studio Sebastian Herkner). Der Jury gefiel die luftig-leichte Installation aus Papier, welche «Genauigkeit, Leichtigkeit, Tradition und die oft unsichtbare Schönheit des Alltäglichen» vereine.
Schönheit und Leichtigkeit vereint. Die aufziehbaren Vasen verschönern die Luft – oder unschöne Behälter. Bild:zvg
Die Japaner sind Meister in der Pflege der Schönheit des Alltäglichen. Ohne dies romantisieren zu wollen (es gibt ja in Japan auch Hässliches): Wer jemals in Japan eine Manufaktur besucht hat, ist hingerissen von der Hingabe und Perfektion, mit der sich Handwerker und Handwerkerinnen ihrer Arbeit widmen. Tradition wird gross geschrieben, was es zuweilen schwierig macht, den Schritt in die Neuzeit zu vollziehen. Die geladenen Kreativen zeigten aber, dass dies möglich ist. Und dass dies auch verstärkt geschieht: Junge Brands wie Karimoku New Standard, der in Langenthal einen Hocker von Koichi Suzuno (Mitgründer von TORAFU ARCHITECTS) zeigte, führen dies vor. Auch in der zeitgenössischen japanischen Architektur widerspiegelt sich dieser Wandel. Während im Westen traditionelle japanische Architektur seit den Anfängen des 20. Jahrhunderts grosse Beachtung fand, waren die japanischen Kollegen umgekehrt von der europäischen Moderne  fasziniert. Und entwickelten aus dieser Auseinandersetzung ein ganz eigenes architektonisches Vokabular, das Tradition und Moderne zusammen denkt. Diese Balance war auch im japanischen Teehaus zu finden, das man am DS bewundern (und als Teegast betreten) konnte. Der Entwurf stammt von Shigeru Uchida (1943 – 2016).
 

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