Glanzlichter der Design Miami/Basel

 Susanna Koeberle
12. Juni 2018
Der Sessel ist ein Entwurf von Gaetano Pesce für Cassina. Neu interpretiert wurde er von Raf Simons für Calvin Klein
An der Design Miami/Basel kann man auch dieses Jahr Entdeckungen machen. Und sogar einigermassen günstig einkaufen.
Die Design Miami/Basel ist weltweit eine der wichtigsten Messen für sammelbares Design. 47 Designgalerien aus aller Welt (auffällig viele allerdings aus Frankreich, dem Reich der arts décoratifs) sind auch dieses Jahr dabei. Beim ersten Rundgang stellt sich zwar ein Déjà-vu-Effekt ein, aber das hängt wohl damit zusammen, dass man die Galerien und ihre Schwerpunkte bereits kennt. Nichtsdestotrotz lässt sich die Messe jedes Jahr neue Formate und Kooperationen einfallen, schliesslich will man der gehobenen Klientel auch etwas bieten. Dazu gehört etwa das Design at Large Format, das für jede Ausgabe neu kuratiert wird. Der französische Fotograf François Halard ist zwar dieses Jahr nicht direkt Kurator, sondern hat das Parterre der Halle 1 nur «organisiert». Im Zentrum steht eine Sammlung von wunderbaren Architekturfotografien aus der Feder des Fotografen, die auf einer grossen Wand präsentiert werden. Darum herum sind verschiedene Objekte und Möbelstücke gruppiert, die einen Bezug zu Architektur haben (im weitesten Sinne, denn was die Gufram Disko dort zu suchen hat, ist wirklich nicht nachvollziehbar. Schade um den kuratorischen Patzer).
In der «Design at Large» Abteilung kann man Architekturfotografien von François Halard bewundern. Bild. James Harris
Will man grad seine Ferienwohnung neu einrichten, muss man hier das dicke Portemonnaie dabei haben. Die Preise sind laut Kennern horrend hoch im Vergleich zu den üblichen auf dem Markt gehandelten. Natürlich gibt es auch Ausnahmen.  Beinahe demokratisch mutet das Projekt an, das im hinteren Teil der Messe gezeigt wird. Luftig verteilt auf einem violetten Spannteppich stehen 25 Sessel aus Stoff und Filz. Der Entwurf dieser thronartigen Sitzgelegenheit stammt von Gaetano Pesce und wurde 1987 von Cassina ins Sortiment aufgenommen. Seine Rückenlehne ist aus weichem Filz und wird im unteren Teil durch Kunstharz versteift – ein cleverer Entwurf, der auch heute noch überzeugt. Fasziniert von diesem Möbelstück war auch der Modedesigner Raf Simons. Er ging auf Cassina zu und initiierte eine «cultural correspondence», wie er sein Projekt nennt. Für die auf 50 Stücke limitierte  Edition für Calvin Klein verarbeitete er einen Teil von Kleins grosser Quilt-Sammlung aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Diese von Amischen gefertigten Decken sind kunstvolle Einzelstücke und fallen durch ihre präzise Verarbeitung und den wunderschönen Form- und Farbkombinationen auf.  An der Preview war bereits die Hälfte der Stücke verkauft. Kein Wunder, die beiden Sessel kosten mit 8900, bzw. 9900 Euro vergleichsweise wenig.
Friedman Benda zeigt die «Watercolour Collection» des japanischen Studios nendo. Bild: James Harris
Weitere Highlights sind: Die Präsentation einer Kollektion des japanischen Studios nendo bei Friedman Benda (New York), die Serie «The Shape of a River» von Kwangho Lee bei Salon 94 (New York), der Stand von Laffanour (Paris) mit den von Japan inspirierten Entwürfen von Charlotte Perriand sowie überraschend moderne Möbelentwürfe von Oscar Niemeyer bei der Side Gallery (Barcelona). Mehrere Musthaves fand man (wie immer) bei der belgischen Galerie Maniera. Der neue Tisch des amerikanischen Designers und Architekten Jonathan Muecke (der übrigens sein Praktikum bei Herzog & De Meuron absolvierte) ist aus Harz und hat eine ungewöhnliche Konstruktionsweise. Neue Stücke waren auch vom indischen Architekten Bijoy Jain (Studio Mumbai) zu sehen. Die einfachen Stühle (die in ihrer Art etwas an die «Superleggera» von Gio Ponti erinnern) wurden hier in der Schweiz von Salome Lippuner mit Urushi (japanischer Lack) behandelt. Manchmal ist die Designwelt ganz klein und es entstehen erstaunliche Kooperationen.
Die belgische Galerie Maniera zeigt eine Auswahl neuer Stücke. Bild: zvg
Kwangho Lees Serie «The Shape of a River» erforscht das chemische Zusammenspiel zwischen Hitze und Kupfer. Bild: James Harris

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