Verleihung des «DAM Architectural Book Award 2019»

Inspiration für Buchliebhaber

Elias Baumgarten
4. Oktober 2019
Die Qual der Wahl – der Jury lagen 227 Einsendungen vor. (Foto: Fritz Philipp)

Alle Fans guter und schön gestalteter Bücher aufgepasst: Gemeinsam haben das Deutsche Architekturmuseum (DAM) und die Frankfurter Buchmesse den «DAM Architectural Book Award 2019» verliehen. Wir zeigen die zehn prämierten Bücher.

Die Tage werden kürzer und kühler, das Laub färbt sich bunt, frühs wabern Nebelschwaben – es herbstet; Lesezeit. Doch welches Buch lohnt der Lektüre? Inspiration liefert das Deutsch Architekturmuseum (DAM). Gemeinsam mit der Frankfurter Buchmesse hat es Ende September 2019 bereits zum elften Mal den internationalen «DAM Architectural Book Award» verliehen und die zehn besten Publikationen des Jahres ausgezeichnet. Die Fachjury wählte sie aus 227 Einsendungen nach Kriterien wie Gestaltung, inhaltliche Konzeption, Material- und Verarbeitungsqualität oder Grad an Innovation und Aktualität aus. Unter den Preisträgern sind auch vier Schweizer Titel. Sie erschienen beim gta Verlag, dem Quart Verlag sowie Park Books und Scheidegger & Spiess.

Wie es seitens der Jury hiess, ist die Auswahl diesmal besonders schwergefallen, denn das Spektrum an interessanten Themen war breit und das Niveau der Eingaben durchwegs hoch. Daher wurden neben den ausgezeichneten Büchern noch zehn weitere auf eine Shortlist gesetzt.

Die feierliche Preisverleihung findet am 16. Oktober dieses Jahres um 19.30 Uhr in der Bibliothek des DAM (Hedderichstraße 108–110, Frankfurt) statt. Sämtliche Preisträger werden ausserdem vom 16. bis zum 20. Oktober an der Frankfurter Buchmesse präsentiert (Halle 4.1, Zentrum Bild, Stand K 109). Wir stellen die geehrten Bücher vor:

StadtBauKultur NRW (Hrsg.), «Architektur der 1950er bis 1970er Jahre im Ruhrgebiet. Als die Zukunft gebaut wurde», Kettler, Dortmund (Foto: Uwe Dettmar)
«Architektur der 1950er bis 1970er Jahre im Ruhrgebiet. Als die Zukunft gebaut wurde» (Foto: Uwe Dettmar)

«Architektur der 1950er bis 1970er Jahre im Ruhrgebiet. Als die Zukunft gebaut wurde» ist beim Dortmunder Kettler Verlag erschienen und wurde von StadtBauKultur NRW herausgegeben. Bei dem Titel handelt es sich um einen Architekturführer. Tim Rieniets und Christine Kämmerer zeigen darin auf 233 Seiten 54 Bauten der Nachkriegsmoderne aus 17 deutschen Städten. Präsentiert werden diese mit schönen Fotos und kurzen, beschreibenden Texten.

Eve Blau und Ivan Rupnik, «Baku. Oil and Urbanism», Park Books, Zürich (Foto: Uwe Dettmar)
«Baku. Oil and Urbanism» (Foto: Uwe Dettmar)

Beim Zürcher Verlag Park Books ist «Baku. Oil and Urbanism» erschienen. Der handliche Reader stellt die Hauptstadt Aserbaidschans auf 302 Seiten in drei Kapiteln vor. Um ein aussagekräftiges Portrait der bisher im Westen eher unbekannten Metropole am Kaspischen Meer zu zeichnen, betrieben Eve Blau und Ivan Rupnik über mehrere Jahre hinweg ein vertieftes Quellenstudium. Ihre Recherche arbeiteten sie schliesslich kompakt, übersichtlich und verständlich auf.

Dirk Somers (Hrsg.), «Bovenbouw Architectuur. Living the Exotic Everyday», Flanders Architecture Institute, Antwerpen (Foto: Uwe Dettmar)
«Bovenbouw Architectuur. Living the Exotic Everyday» (Foto: Uwe Dettmar)

Dieses Buch ist eine Monographie des 2011 gegründeten Architekturbüros Bovenbouw aus Belgien. Die handliche Publikation gliedert sich in zwei Teile, was mit einem Papierwechsel unterstrichen wird. Im ersten werden die besten Gestaltungen des Teams gezeigt, Teil zwei besteht aus Aufsätzen. Die Projektseiten sind klar strukturiert und aufwendig ausgestaltet: Zwei Drittel nehmen grossformatige Fotos und Visualisierungen ein, der Rest ist für beschreibende Texte reserviert. Die Abbildungen erhalten durch einen UV-Lack zusätzliche Farbtiefe. Besonders lobende Worte fand die Jury für die sorgfältig durchgearbeitete Typografie, die das Lesen enorm erleichtere und zum Genuss mache.

Almut Grunewald (Hrsg.), «Die Welt der Giedions. Sigfried Giedion und Carla Giedion-Welcker im Dialog», Scheidegger & Spiess, Zürich (Foto: Uwe Dettmar)
«Die Welt der Giedions. Sigfried Giedion und Carla Giedion-Welcker im Dialog» (Foto: Uwe Dettmar)

Das in der Schweiz verlegte und gestaltete Buch sei wie eine Ausstellung, lobt die Jury in ihrer Beurteilung. Seite für Seite fühle man sich, als flaniere man durch den Nachlass der Giedions. Gezeigt werden Dokumente und Briefe des Paars genauso wie Fotos und Skizzenbücher. Schriftwahl und Satz ordnen sich den Bildern klar unter und sind, so die Preisrichter*innen, bis ins Detail «sehr gut ausgearbeitet».

Dirk Laureys (Hrsg.), «Léon Stynen. A Life of Architecture 1899–1990», Flanders Architecture Institute, Antwerpen (Foto: Uwe Dettmar)
«Léon Stynen. A Life of Architecture 1899–1990» (Foto: Uwe Dettmar)

Léon Stynen zählt zu den bedeutendsten und einflussreichsten Architekt*innen der Moderne in Belgien. Bei der Publikation handelt es sich um den aufwendigen Katalog einer gleichnamigen Ausstellung im Flanders Architecture Institute. Das 335 Seiten starke Werk soll den Bekanntheitsgrad des Gestalters ausserhalb seiner Heimat erhöhen.

Eveline Schneider und Raffaella Endrizzi (Hrsg.), «Lochergut – Ein Portrait», Quart Verlag, Luzern (Foto: Uwe Dettmar)
«Lochergut – Ein Portrait» (Foto: Uwe Dettmar)

Im Rahmen einer Seminararbeit an der ETH Zürich entstand diese umfassende und erfrischende Analyse des Plattenbaus, der im Zürich der 1960er-Jahren errichtet wurde. Die Herausgeberinnen spüren der Frage nach, wieso der Bau bei seinen Bewohner*innen so überaus beliebt ist; 16 von ihnen haben sie dafür interviewt. Herausgekommen ist die lesenswerte Momentaufnahme eines urbanen Mikrokosmos.

Claudia Moll, «Theodor & Otto Froebel. Gartenkultur in Zürich im 19. Jahrhundert», gta Verlag, Zürich (Foto: Uwe Dettmar)
«Theodor & Otto Froebel. Gartenkultur in Zürich im 19. Jahrhundert» (Foto: Uwe Dettmar)

Aus Zürich stammt auch eine weitere interessante Publikation: «Theodor & Otto Froebel. Gartenkultur in Zürich im 19. Jahrhundert» von Claudia Moll. Das Buch komprimiert die Ergebnisse eines Forschungsprojekts und einer Dissertation an der ETH Zürich, die ausserdem schon in einer Ausstellung gezeigt wurden. Es überzeugte die Jury besonders auch mit seiner klaren Gliederung und hält ein kurzweiliges Leseerlebnis bereit. Eine «überaus gelungene Monografie», liest man im Jurybericht.

Zvi Efrat (Hrsg.), «The Object of Zionism. The Architecture of Israel», Spector Books, Leipzig (Foto: Uwe Dettmar)
«The Object of Zionism. The Architecture of Israel» (Foto: Uwe Dettmar)

Die Dokumentation beschreibt die architektonische Entwicklung des Aufbaus des Staates Israel seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1970er-Jahre hinein. Der Architekt Zvi Efrat gibt auf über 900 Seiten einen Überblick über Raumplanung sowie städtebauliche Strukturen und Konzepte und versammelt viele herausragende Architekturbeispiele. 

Uta Hassler (Hrsg.), «Vom Baustoff zum Bauprodukt. Ausbaumaterialien in der Schweiz 1950–1970», Hirmer Verlag, München (Foto: Uwe Dettmar)
«Vom Baustoff zum Bauprodukt. Ausbaumaterialien in der Schweiz 1950–1970»  (Foto: Uwe Dettmar)

Die sorgfältig gestaltete Dokumentation stammt von der Denkmalpflegerin Uta Hassler, die bis 2015 an der ETH Zürich lehrte. Das Buch zeigt Materialien in einer Art Enzyklopädie – das Ergebnis ausdauernder Grundlagenforschung. Beim Lesen erfährt man, was aus einst als Innovationen gepriesenen Produkten und Baumaterialien über die Zeit geworden ist. Dabei ist das Buch kein trockenes Nachschlagewerk, wie man nun vielleicht meinen könnte. Vielmehr blitze, so die Jury, immer wieder Humor auf, wenn die «Propaganda» der Bauindustrie vorgeführt werde.

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