Kulturerbe für alle: Die Siegerprojekte

 Susanna Koeberle
27. Dezember 2018
Das Museum Schloss Burgdorf eröffnet 2020 mit einem neuen Konzept. «Mein Ding» gehört zu den unterstützten Projekten: Bild: Museum Schloss Burgdorf
Mit einem offenen Projektwettbewerb stiess das Bundesamt für Kultur (BAK) im Kulturerbejahr 2018 Projekte im Bereich Kulturerbe an. Jetzt stehen die Projekte fest, die mit der Unterstützung des Bundes in den kommenden zwei Jahren umgesetzt werden.
Über 130 Organisationen und Privatpersonen aus der ganzen Schweiz nahmen am Projektwettbewerb des BAK «Kulturerbe für alle» teil. 19 der eingereichten Vorhaben können nun in den nächsten zwei Jahren auf die Unterstützung des BAK zählen. Ausschlaggebend für die Auswahl waren Innovation und Kreativität, inhaltliche und fachliche Qualität, Relevanz und Kosteneffizienz. Die Projekte werden mit insgesamt rund 2.5 Millionen Franken unterstützt, wobei der Unterstützungsbeitrag je nach Projekt zwischen 14 000 und 238 000 Franken schwankt.

Unter den Gewinnern befinden sich viele Vermittlungsprojekte und partizipative Formate. Zu zeigen, dass Kulturerbe alle etwas angeht, war ja deklariertes Ziel der Initiative, die im Rahmen des Kulturerbejahres 2018 lanciert worden war (wir haben berichtet). Mehrere Vorschläge sind digitaler Art wie etwa eine Augmented Reality App, ein Game, Datenbanken oder Websites, die Kulturgüter auf  diesem Weg sammeln und erfahrbar machen. Andere sind handfester Natur und fordern zum Mitmachen auf. Die Stiftung Baudenkmal etwa ermöglicht Arbeitseinsätze von Freiwilligen auf Denkmal-Baustellen. Damit möchte die Stiftung auch dazu beitragen, handwerkliche Fähigkeiten zu fördern. Auch wenn es sich schwer festmachen lässt, ist nämlich auch Handwerk ein Kulturgut. Das zudem auch ökologisch ist, wie das interdisziplinäre Strohhalmprojekt aus dem Onsernonetal zeigt.
 
Die Wahrnehmung der gebauten Umwelt schärfen, möchte das Comicprojekt «Flanieren» vom Comic Magazin «Strapazin». In der Schweiz lebende Comic-Zeichnerinnen und -Zeichner flanieren durch ihre Stadt oder ihr Dorf und machen sich dabei Gedanken über die Veränderungen, seien sie architektonischer, sozialer, ökonomischer oder ökologischer Art.  Zum bewussten Flanieren durch unsere Städte lädt auch «Design Promenade» ein. Die Zeitschrift Hochparterre entwickelt dafür Touren, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen über Storytelling und aktivem Aufnehmen mittels Skizzieren oder Fotografieren für Design im öffentlichen Raum sensibilisieren. Wie auch Museen zu Orten der Partizipation werden können, beweist «Mein Ding». Damit kann sich die Bevölkerung an der Entwicklung des «Museum Schloss Burgdorf» beteiligen, das 2020 mit einem neuen Konzept eröffnet werden soll. Schon seit seiner Gründung im Jahr 1886 wurde die Öffentlichkeit dazu aufgefordert, bei der Sammlung von Kulturgut aktiv mitzuwirken. Das Projekt will modellhaft mit der Bevölkerung in Austausch treten und diese in die Frage einbeziehen, was Kulturerbe heute und morgen bedeutet. Dem Thema Baukultur und Städtebau, das auch in der Erklärung von Davos hervorgehoben wurde, widmet sich ein Projekt des BSA (Gruppe Bern Solothurn Freiburg Oberwallis). Im kleinen wie im grossen Rahmen sollen die Vorschläge das Bewusstsein für unsere Umgebung fördern. Denn Politik wird nicht nur von oben diktiert; jede Handlung im öffentlichen Raum ist politisch und kann etwas bewirken.
 
 

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