Lernlandschaft

Ulf Meyer
4. Januar 2021
Das neue Schulhaus wurde in Holzbauweise errichtet. (Foto: Roman Keller)

Das Zürcher Büro Schwabe Suter hat in Bazenheid in der Ostschweiz eine neue Primarschule gestaltet. Der zurückhaltende Holzbau vermag zu überzeugen.

Das Dörfchen Bazenheid im Kanton St. Gallen war vielen bis anhin lediglich für seine Müllverbrennungsanlage und seine Tiermehlfabrik bekannt. Erfreulichere Nutzungen – in einer architektonisch gelungenen Hülle – bietet die neue Primarschule im Ort, entworfen vom Architekturbüro Schwabe Suter aus Zürich. Das Büro hat seit seiner Gründung 2013 schon mehrere Wohn-, Schul- und Sportbauten realisieren können. Bei jedem Projekt versuchen die Entwerfer, «Potenziale aufzuspüren, um etwas Nützliches, Unerwartetes oder Poetisches zu erschaffen».

Der Neubau ergänzt eine bestehende Anlage. (Foto: Roman Keller)
Der Gebäudesockel ist zum Schutz vor Verschmutzung und Verwitterung mit Beton verkleidet. Die Fassade wird durch Lisenen gegliedert. (Foto: Roman Keller)

Der Neubau ergänzt eine bestehenden Schulanlage mit Kindergarten nahe des Dorfkerns. Das Schulhaus an der Ecke Neugasse / Flurstrasse bekam durch eine neue Erschliessungsachse zwischen beiden Schulhäusern eine Adresse. Der Pausenplatz mit drei Naturklassenzimmern liegt auf der strassenabgewandten Seite zwischen Neu- und Altbau.

Der Werkraum wird von einer hölzernen Einbauwand geprägt. (Foto: Roman Keller)

Vom gedeckten Eingang aus gelangt man in eine Halle, an die zwei Werkräume und das Lehrerzimmer grenzen. Im Erdgeschoss befinden sich überdies drei Klassenzimmer mit zwei Gruppenräumen. Über zwei Treppen erreicht man das Obergeschoss mit weiteren Klassenzimmern und Gruppenräumen. Neben klassischem Frontalunterricht kann dort auch klassenübergreifend oder in offenen Lernlandschaften unterrichtet werden, denn die Mittelzone lässt sich für grosse Gruppenarbeiten oder gemeinsames Lernen nutzen. Dank den nichttragenden Innenwänden könnten später Anpassungen an den Grundriss vorgenommen werden, sodass auf zukünftige Lehranforderungen und neue Unterrichtskonzepte reagiert werden kann. 

Beide Garderoben sind durch farbige Wände markiert. (Foto: Roman Keller)

Es kamen vorwiegend natürliche Materialien wie Holz und Stein zum Einsatz, auch um die Behaglichkeit der Innenräume zu erhöhen. Die Wände sind mit Holzspanplatten ausgekleidet, die akustisch wirksam sind und als Pinnwände genutzt werden können. Der geschliffene, robuste Hartbetonboden und die Sichtbetonwände im Treppenhaus kontrastieren mit dem warmen Holz. Die beiden Garderoben wurden farbig akzentuiert. 

Der zentrale Erschliessungskern in Massivbauweise übernimmt die Aussteifung des Gebäudes. Um gute Schalldämmwerte zu erreichen, wurden Holz-Beton-Verbunddecken eingebaut. Die Aussenwände bestehen aus vorgefertigten Rahmenbauelementen, dazwischen wurden die Fenster integriert. Die Holzfassade bildet das Konstruktionsraster ab. Lisenen gliedern das Gebäude im Achsmass und verleihen der Hülle eine filigrane Anmutung. Diese wurde mit einem Anstrich behandelt. So hat das Dorf auch farblich einen neuen Akzent gewonnen.

Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss

Der Entwurf für das neue Schulhaus von Pfeffingen nahe Basel musste nach dem Wettbewerb grundlegend überarbeitet werden. Das Ergebnis rechtfertigt den Mehraufwand.

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