Lösungsansatz für Notre-Dame

Manuel Pestalozzi
30. April 2019
Hubert Rhomberg möchte die Pariser Notre-Dame mit einer Holzkonstruktion reparieren. Bild: Dominic Schindler Creations/Rhomberg Bau

Das Dach der beschädigten Kathedrale auf der Île de la Cité muss neu aufgebaut werden. Das beschwingt auch die Phantasie von Fachleuten aus Vorarlberg. Hubert Rhomberg träumt von einer Lösung mit vorfabrizierten Elementen.

Ideen für den Wiederaufbau der Notre-Dame im Zentrum von Paris gibt es bereits viele. Über deren Qualität lässt sich bisweilen streiten. Ein Architekturwettbewerb wurde angekündigt. Nun hat sich der Vorarlberger Baumeister Hubert Rhomberg, Miteigentümer der Rhomberg Bau GmbH aus Bregenz, zu Wort gemeldet. Holz steht im Vordergrund seiner Überlegungen. Es ist das Material, mit dem er sich gut auskennt, und es spielt in seinem Plan für die Rekonstruktion die Hauptrolle. Statt dem bisherigen kleinteiligen, doppelten Hängewerk, das aus einer Vielzahl an Sparren, Kehlbalken, Hängesäulen und Streben bestand, schwebt ihm eine vorgefertigte, aufgelöste Fachwerkkonstruktion vor. Auf dieser sollen anschliessend vorelementierte Holz-Rippenelemente angebracht werden, bestehend aus Holzwerkstoff-Platten, die mit Rippen aus Brettschichtholz verleimt werden und an der Aussenseite bereits über eine regendichte Dachhaut verfügen. Das Ganze soll lokal, also in und um Paris, vorbereitet werden.

Einspannen liesse sich dabei nach Rhombergs Vorstellung auch die katholische Kirche. «Die Kirche ist der grösste Waldbesitzer weltweit und hat natürlich auch in Frankreich grosse Ressourcen», weiss er. Konkret wird der Vorarlberger bei der Wahl der Hölzer: Fichte, Kiefer oder Tanne. Dabei bestand der alte Dachstuhl aus Eichenbalken. Die Eiche gilt in unserem Nachbarland als die Königin unter den Bäumen und Baumaterial des Königs – und drunter werden es die Französ*innen vermutlich nicht machen, schliesslich geht es beim Wiederaufbau der Notre-Dame wesentlich auch um nationale Identität. Die Vernunft allein – und das Konzept tönt ja durchaus ökonomisch und vernünftig – wird in der emotional stark aufgeladenen Debatte wohl zur Überzeugung nicht reichen. Auch die Denkmalpflege dürfte zudem ein Wörtchen mitreden wollen. Vermutlich ist sie gegenüber einer neuen, modernen und kostengünstigen Konstruktion eher skeptisch. Doch noch ist nichts entschieden – und die Geschichte der «Güterabwägung» wird in diesem Fall sicher spannend!

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