Macron – «président bâtisseur»?

Manuel Pestalozzi
27. September 2017
Der Grand Louvre, ein grand projet von Präsident François Mitterrand. Bild: Wikimedia Commons

Im späteren 20. Jahrhundert verewigten sich Frankreichs Präsidenten mit sogenannten grands projets. Die Tradition ist etwas aus der Mode gekommen. Gibt es unter Emmanuel Macron ein Revival?

Gebt Macron einen Architekten! Mit diesem Aufruf übertitelt Marine Vazzoler ihren Artikel im Feuilleton der FAZ. Sie erinnert daran, dass Frankreichs Präsidenten des ausgehenden 20. Jahrhunderts, Georges Pompidou (1969 bis 1974), Valéry Giscard d’Estaing (1974 bis 1981), François Mitterrand (1981 bis 1995) und Jacques Chirac (1995 bis 2007) ihre Spuren im Stadtbild von Paris hinterlassen haben. Aus heutiger Sicht war der Gaullist Pompidou der radikalste, das nach ihm benannte Kulturzentrum ist ein fester Bestandteil der Architekturgeschichte geworden, die damals noch unbekannten Architekten Renzo Piano und Richard Rogers starteten mit dem Projekt Karrieren, die sie zu Weltruhm brachten.
 
Valéry Giscard d’Estaing schreibt Vazzoler das Musée d’Orsay und das Institut du Monde Arabe von Jean Nouvel zu. Pharaonisch waren die grand projets des Sozialisten Mitterrand, erwähnt werden der Grand Louvre mit der Glaspyramide von Ieoh Ming Pei und die Grande Arche im Geschäftsviertel La Défense von Johan Otto von Spreckelsen. Jacques Chirac hat das umstrittene «Musée du Quai Branly – Jacques Chirac», nochmals Jean Nouvel, zu verantworten. Seither ist in Paris an neuen Bauzeugen präsidialer Umtriebigkeit nicht mehr viel zu sehen – leidet Paris unter einem Museums-Overkill? Nicolas Sarkozy (2007 bis 2012) und François Hollande (2012 bis 2017) sahen offenbar keinen Anlass, markante Grossaufträge zu vergeben, anhand derer man an sie zurückdenken wird.
 
Die Hoffnung jener, die sich nach mehr grand projets sehnen, liegen nun auf Emmanuel Macron. Fragt sich nur: Was braucht Paris noch an grossartigem Gebautem? Vielleicht kann er mit sinnvollen Umbauprojekten Impulse setzen – mit einer «macronisation» des Bestandes? Wünschenswert wäre auch eine Architektur, welche Frankreich nicht als Grande Nation zeigt, sondern als loyaler Gliedstaat der EU. Wenn das keine spannende, herausfordernde Aufgabe wäre!

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