Marques Architekten und Bearth & Deplazes gestalten das Ortszentrum von Davos Dorf um

Manuel Pestalozzi, Elias Baumgarten
18. November 2022
Visualisierung © ARGE Bearth & Deplazes / Marques Architekten AG

In den nächsten zehn Jahren soll sich das Ortszentrum von Davos Dorf verändern: Rund 250 Millionen Franken wollen die Gemeinde, die Bergbahnen, die Immobiliengesellschaft Konsum Davos und die Rhätische Bahn in seine Neugestaltung stecken. Zu den gewichtigsten Gründen für Umgestaltung zählen die Versetzung des Bahnhofs, die mangelnde Barrierefreiheit und das Verkehrschaos, das durch zu wenig Platz für Busse verursacht wird, sowie die Unannehmlichkeiten, die durch eine schlechte Erschliessung für den Langsamverkehr entstehen.

Im Frühjahr hatten die vier Projektpartner zu einem Ideen- und Projektwettbewerb eingeladen. Die Teilnehmenden sollten einen städtebaulichen Entwurf für das Ortszentrum und einen architektonischen für den neuen Bahnhof entwickeln. Insgesamt 15 Vorschläge von Architekten- und Planerteams aus dem In- und Ausland wurden eingereicht. Inzwischen hat die elfköpfige Jury, die aus Vertreter*innen der Projektpartner und Expert*innen unterschiedlicher Disziplinen bestand, ihre Entscheidung gefällt. Die Bewertungskriterien waren dabei die städtebauliche und architektonische Qualität sowie die Güte der Landschaftsarchitektur und der Mobilitätsplanung. Aber auch auf die Wirtschaftlichkeit sowie die Nachhaltigkeit und den Klimaschutz wurde besonders geachtet.

Modellfoto © ARGE Bearth & Deplazes / Marques Architekten AG
Modellfoto © ARGE Bearth & Deplazes / Marques Architekten AG
Neue Verkehrsführung und erschwinglicher Wohnraum

Der Sieg ging an den überzeugenden und im Massstab gut passenden Entwurf «Davoser Schlitten». Er stammt von der ARGE Bearth & Deplazes / Marques Architekten AG sowie den Landschaftsarchitekt*innen von Hager Partner. Das auffälligste Merkmal des Projekts ist die Verschiebung des Bahnhofs Davos Dorf zwischen das heutige Seehofseeli und den Parsennparkplatz. In einer unterirdischen Einstellhalle zwischen dem neuen Bahnhof und der Parsenn-Talstation werden 500 öffentliche Parkplätze geschaffen. Auf dem Bahnhofplatz mit Bäumen sind Bushaltestellen, Taxistandplätze und Abstellplätze für Velos geplant. Auch kurzzeitiges Parkieren soll dort künftig möglich sein. Davon erhoffen sich die Projektpartner einen modernen, behindertengerechten Verkehrsknotenpunkt mit kurzen Wegen für die Passagiere.

Das neue Bahnhofsgebäude selbst wirkt auf den Visualisierungen architektonisch ansprechend. Sie zeigen einen langgestreckten Holzbau, der durch verschiedene Dächer gegliedert wird. Im Inneren sollen Geschäfte für Lebensmittel und Reisebedarf, ein Restaurant und ein Versammlungsraum Platz finden.

Südlich des neuen Bahnhofs wiederum sind auf dem heutigen Parsennparkplatz Hotels und Gebäude mit bewirtschafteten Wohnungen vorgesehen. Auf der benachbarten Wiese sollen Mehrfamilienhäuser bezahlbaren Wohnraum für die einheimische Bevölkerung bieten. Später dann wird der alte Bahnhof weiteren Wohn- und Gewerbehäusern weichen. Im Bereich von Seehofseeli und St. Theodul Kirche schliesslich wird sich ein Park befinden.

Modellfoto © ARGE Bearth & Deplazes / Marques Architekten AG
Modellfoto © ARGE Bearth & Deplazes / Marques Architekten AG
Masterplan, Projektwettbewerbe und Bau

Alle Entwürfe waren vom 14. bis zum 22. Oktober im Kongresshaus Davos zu sehen. Nun wird das Siegerprojekt weiterbearbeitet. Es soll zur Grundlage für einen Masterplan werden. Die Verkehrsräume müssen dabei noch optimiert werden, heisst es von den Projektpartnern, und eine genaue Kostenberechnung ist vorzunehmen.

Basierend auf dem Masterplan wiederum werden hernach eine Zonenplanrevision, ein genereller Gestaltungsplan und ein Erschliessungsplan ausgearbeitet. Über diese wird die Davoser Bevölkerung voraussichtlich im Herbst 2023 abstimmen. In Projektwettbewerben sollen danach architektonische Lösungen formuliert werden. Mit den Bauarbeiten der ersten Etappe könnte bei einem positiven Abstimmungsergebnis im zweiten Halbjahr 2024 begonnen werden. Wenn alles ideal läuft, kann der neue Bahnhof 2028 in Betrieb genommen werden.

Grundriss Erdgeschoss © ARGE Bearth & Deplazes / Marques Architekten AG
Architektur
ARGE Bearth & Deplazes / Marques Architekten AG
Verfasser: Prof. Andrea Deplazes, Daniel Ladner / Prof. Daniele Marques, Rainer Schlumpf
Mitarbeitende: Florian Reisacher / Tim Eggermann

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