Mit einfachen Mitteln

Juho Nyberg
21. Mai 2019
Diese vernünftig dimensionierte Lochfassade gehört zum Entwurf eines Bürogebäudes von Baumschlager Eberle, das einmal in Schlieren stehen soll. (Visualisierung: SPS/nightnurse images GmbH)

Statt auf immer mehr Haustechnik hinter gläsernen Fassaden zu setzen, haben sich Baumschlager Eberle beim Entwurf eines Bürobaus, der in Schlieren gebaut werden soll, auf traditionelle – und sehr vernünftige – Ansätze besonnen.

Gläserne Bürogebäude stehen überall. Als gleissende Säulen bilden sie bekannte metropolitane Kulissen und stehen für Modernität – manche würden vielleicht sogar sagen, für Zeitlosigkeit. Dabei können ihre Hüllen durchaus auch als Ausdruck von Ideenlosigkeit gelesen werden: einfach diese spiegelnde Membrane um das Gebäude gewickelt, und fertig ist die Fassade – oder was man dafür hält. Und lästige Fragen nach Fenstergrösse, -teilung und -positionierung kommen erst gar nicht auf. Dabei gäbe es – auch über die Gestaltung hinaus – Grund genug, kritisch einzuhaken: Die Glasherstellung ist energieintensiv. Die Räume hinter Glasfassaden müssen mit aufwendigen Massnahmen behaglich gemacht werden. Nicht nur die Wärme kann zu schaffen machen, auch die totale Transparenz und somit der oft viel zu grosse Lichteinfall fordert eine Verschattung.

Der aktuelle Entwurf des Büros Baumschlager Eberle für ein Gebäude in Schlieren geht einen anderen, traditionellen Weg: dicke Mauern und Lochfenster. Wer hätte das gedacht? Den «2226» genannten Entwurf preist das Architekturbüro als «universellen Prototyp» an. Er spinnt die Ideen des Hauses mit gleichem Namen weiter, das 2013 im österreichischen Lustenau errichtet wurde. Was futuristisch klingt, hat seine Wurzeln aber eigentlich in althergebrachten Bauweisen: Massive Aussenwände mit zwei je 38 cm dicken Schalen und Kalkputz sorgen für eine korrekte Phasenverschiebung durch das Mauerwerk und ein angenehmes Raumklima. Der Fensteranteil liegt bei rund 16 Prozent. Auf eine Heizung kann verzichtet werden, denn ein Mensch strahlt durchschnittlich etwa 80 Watt Wärmeenergie ab, dazu kommen noch Geräte und Beleuchtung. Letztere geht übrigens an, sollte der Innenraum doch einmal zu stark abkühlen.

Bei allem Verzicht auf Unnötiges kommt punktuell doch auch Modernes zum Einsatz: Sensoren überwachen die CO2-Sättigung der Luft und öffnen bei Bedarf die Fenster. Dies können die Nutzer*innen aber auch selbst tun – ohne sich deswegen Sorgen machen zu müssen. Denn bei Bedarf werden die Fenster automatisch wieder geschlossen. Die Gestaltung erinnert an Heinrich Degelos Wohnhaus, das nahe dem Badischen Bahnhof in Basel gebaut wurde. Auch dort wurde auf eine Heizung verzichtet, die Mauern sind dick und das Öffnen und Schliessen der Fenster obliegt einer automatischen, senorgestützten Steuerung. Ein auf Anhieb sympathisches Konzept. 

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