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Manuel Pestalozzi
4. Februar 2020
Optisch bleibt (fast) alles gleich, denn die Kaserne ist ein Schutzobjekt. (Visualisierung: Atelier Brunecky)

Seit Jahrzehnten wird schon über die Zukunft des Zürcher Kasernenareals gestritten. Jetzt hat der Kanton der langen Geschichte neue Kapitel hinzugefügt, darunter ein Wettbewerb für das Hauptgebäude.

1987 zogen die Truppen aus der Kaserne ab. Sie verlegten in eine neue Anlage im Reppischtal. Schon zuvor gelangten Zukunftsvisionen für das zentral gelegene Areal an der Sihl an die Öffentlichkeit. So war zum Beispiel von ein Fussballstadion mit Spielfeld unter Terrain die Rede. Mit dem Bauentscheid für das Polizei- und Justizzentrum (PJZ) rückte das Schicksal der Gebäude, die von verschiedenen kantonalen und städtischen Institutionen genutzt werden, wieder stärker ins Rampenlicht. Zunächst kaum beachtet, hat der Kanton nun einen Architekturwettbewerb für die Gesamtinstandsetzung und Umnutzung der Militärkaserne durchgeführt. Daneben wird dem Kantonsrat erneut eine von Kanton und Stadt Zürich gemeinsam erarbeitete, ausgewogene Lösung für die Zeughäuser am gegenüberliegenden Ende des Areals unterbreitet.

Zurück aber zum Hauptgebäude: Aus einem Wettbewerb im selektiven Verfahren ging das Projekt «Pilum» der Spillmann Echsle Architekten AG aus Zürich als Sieger hervor. Das nüchtern wirkende Ergebnis ist der (angesichts dieser heftig umworbenen Bausubstanz doch eher dröge klingenden) Aufgabenstellung zuzuschreiben. Die Militärkaserne soll weiterhin für kantonale Aufgaben genutzt werden. Zu planen war ein Bildungszentrum für Erwachsene, wobei das Erdgeschoss für «publikumsorientierte Nutzungen» offen gehalten werden sollte. 

Das Siegerprojekt sorgt dafür, dass der denkmalgeschützte Kasernenbau mit wenigen gezielten Eingriffen den Ansprüchen der künftigen Nutzungen gerecht wird, ohne Beeinträchtigung der Gebäudetypologie, so eine Pressemitteilung des Kantons. Das Erdgeschoss wird fast vollständig freigespielt, was die gewünschte publikumsorientierte Nutzung ermöglicht. Neu zieht sich ein zentrales Atrium über alle Obergeschosse. Es soll «ein attraktives Raumangebot für Lernformen ausserhalb des klassischen Schulzimmers» bieten. Unter der Leitung des Hochbauamts möchte der Kanton «Pilum» nun weiterentwickeln. Ziel ist es, Regierungs- und Kantonsrat im Jahr 2022 ein bewilligungsfähiges Projekt vorzulegen.

Das Zeughausareal soll für 50 Jahre im Baurecht an die Stadt übergeben werden. Der Kanton Zürich verpflichtet sich mit dem Baurechtsvertrag, eine Kostenbeteiligung von maximal 30 Millionen Franken zu leisten. Auch das muss vom Kantonsrat noch bewilligt werden. Für den restlichen Teil der nötigen Investitionen soll die Stadt Zürich aufkommen. Der Stadtrat wird voraussichtlich 2024 den Objektkredit für das Sanierungsprojekt zuhanden des Gemeinderats verabschieden. Zudem betreibt die Stadt auch weiterhin die Kasernenwiese in Gebrauchsleihe. Weiterhin haben Regierungs- und Stadtrat beschlossen, Verhandlungen über die Zukunft der Polizeikaserne aufzunehmen.

Um das neue, zentrale Atrium sollen sich bildungshungrige Erwachsene Wissen aneignen. (Visualisierung: Atelier Brunecky)

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