Neuer Eingang für ein Baudenkmal

Manuel Pestalozzi
4. Mai 2022
Vom neuen Ankunftsraum gelangen die Gäste künftig über eine schöne Treppenanlage ins Schloss. (Visualisierung: Schmidlin Architekten, Nora Walter)

Die Remise des Schlosses Frauenfeld wird zum Hauptzugang des Museums umgestaltet. Den Wettbewerb haben Schmidlin Architekten mit einem behutsamen, präzisen Vorschlag gewonnen.

 

Das imposante Schloss Frauenfeld mit seinem 19 Meter hohen Bergfried ist ein wertvolles Baudenkmal aus dem Mittelalter. Der aus grossen Findlingen gebaute Turm mit einem Krüppelwalmdach bildet den Mittelpunkt der historischen Anlage, die aus mehreren Teilen besteht und einen Hof umschliesst. An diesem befindet sich auch die Schlossremise. Der kantonalen Museumsstrategie folgend, wird im Schloss Frauenfeld und dem dazugehörigen Schaudepot St. Katharinental die ältere Geschichte des Thurgaus präsentiert. 

Für die Sanierung und Umgestaltung des Schlosses wurde im Mai 2021 ein anonymer, einstufiger Projektwettbewerb im selektiven Verfahren ausgeschrieben. Die Aufgabenstellung umfasste die Erarbeitung eines Entwurfs für die Umnutzung der Schlossremise zu einem neuen Empfangsgebäude, das künftig den Hauptzugang zum Schloss bilden wird. Weiter war ein Vorschlag für eine Vertikalerschliessung im Ostbau auszuarbeiten, der die Anforderungen hinsichtlich des Brandschutzes an den Fluchtweg erfüllt sowie die barrierefreie Zugänglichkeit der Ausstellungsgeschosse im Schloss sicherstellt.

 

Die Remise wird zur hellen Eingangshalle. (Visualisierung: Schmidlin Architekten, Nora Walter)

15 Architekturbüros beteiligten sich an dem Wettbewerb. Fast ein ganzes Jahr später stehen nun Schmidlin Architekten mit ihrem Projekt «Marie» als Sieger fest. Der Projektname erinnert an Marie Bachmann, die einstige Besitzerin des Schlosses, die jenes dem Kanton vererbte. Die Remise bleibt in diesem Vorschlag Remise. Allerdings wird sie freigeräumt, sodass sie ihre Funktion als Eingangshalle wahrnehmen kann. Torbögen stellen einen direkten Bezug zum Hofraum her. Eine skulpturale Ergänzung bildet die leicht geschwungene Treppenanlage am östlichen Rand der Halle. Sie führt in einen tieferliegenden Verbindungskorridor und zu einem neuen Ankunftsraum. 

Die vorhandene Bausubstanz wird kaum angetastet, was vom Preisgericht lobend hervorgehoben wurde. Das Projekt zeige beispielhaft, wie mit einer sehr geringen Eingriffstiefe ein Weiterbauen unter gleichzeitiger Beachtung neuer Nutzungsansprüche möglich ist. Die Gewinner haben jetzt den Auftrag, das Bauprojekt in einem nächsten Schritt weiter auszuarbeiten und einen Kostenvoranschlag zusammenzustellen. Läuft alles nach Plan, könnte nach der Genehmigung durch den Grossen Rat Ende 2023 im Jahr 2025 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Inbetriebnahme und der Bezug sind für 2027 geplant.

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