New York verkündet «Green New Deal»

John Hill
27. April 2019
New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio präsentierte den «Green New Deal» am 22. April 2019. Bild: Michael Appleton/Mayoral Photography

Pünktlich zum «Tag der Erde», dem 22. April, hat die Stadt New York den «Climate Mobilization Act» verabschiedet, auch bekannt als «Green New Deal». Demnach ist geplant, dass Gebäude mit Glasfassaden künftig nur noch unter strengen Auflagen gebaut werden dürfen. Ausserdem müssen an 50'000 Altbauten bauliche Massnahmen ergriffen werden, um deren CO2-Emissionen und Energieverbrauch zu senken. Wie diese genau aussehen werden, ist noch nicht klar.

Obwohl die von New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio vorgestellte Initiative «Green New Deal» vieles adressiert – von der Klimaneutralität und der Verbesserung der Luftqualität über das Aufhalten der Opioid-Epidemie bis hin zur Unterbindung der Verdrängung von Mieter*innen – konzentriert sich das Medieninteresse vornehmlich darauf, welchen Einfluss sie auf die gebaute Umwelt haben könnte. Der Plan beinhaltet einige Punkte, die für Architekt*innen von besonderem Interesse sein dürften:

  • Erreichen der Klimaneutralität bis 2050 und einer zu 100 Prozent sauberen Stromversorgung: Die Stadt verfolgt fortan hohe Ziele in Sachen Reduktion des Austosses von Treibhausgasen. Zudem soll künftig aller Strom aus grünen Energien gewonnen werden, wovon man sich nebenbei auch neue Jobs verspricht. Verschmutzer sollen zur Kasse gebeten werden.
  • Anordnung einer Reduktion der CO2-Emissionen bestehender Gebäude: Nach dem Willen de Blasios müssen an Häusern von über 25'000 sf (rund 2'323 m2) Fläche Massnahmen ergriffen werden, um deren Energieverbrauch und CO2-Emissionen zu drücken. Geschieht dies nicht und werden keine Nachrüstungen vorgenommen, sollen hohe Bussen verhängt werden. Betroffen wären 50'000 Gebäude auf dem Stadtgebiet.
  • Verbot ineffizienter Glasfassaden. Die Stadt wird das Errichten von (Hoch-)Häusern mit Glasfassaden nicht länger gestatten, ausser es werden strenge Richtlinien zur Performance eingehalten. Entwürfe mit über Gebühr grossen Glasflächen könnten damit bald der Vergangenheit angehören.
Veränderung des Stadtbilds?

Mit der Verabschiedung dieser drei Punkten wird vor allem bei Gebäuden – insbesondere grossen – angesetzt, um eine Reduktion der Treibhausgasemissionen zu erreichen. Wenig verwunderlich, sind diese doch laut Studien wie dem «OneNYC Report» für zwei Drittel des Ausstosses verantwortlich. Obschon noch unklar ist, wie die Massnahmen zur Verringerung der Emissionen und des Energieverbrauchs von Altbauten genau aussen sollen, werden diese, so glauben viele New Yorker Politiker*innen, zusammen mit dem Verbot ineffizienter Glasfassaden gewiss das Antlitz der Stadt verändern. Möglich scheint aber auch, dass Hausbesitzer*innen lieber Strafen bezahlen und Architekt*innen Gebäude mit Glasfassaden entwickeln, die den angekündigten strengen Richtlinien genügen. 

Hemmnis für die Verdichtung?

John H. Banks, Präsident des Real Estate Board New York (REBNY) und wichtigster Lobbyist der Branche in der Stadt, nahm die Pläne schon prophylaktisch unter Beschuss. Er rechnete vor, dass 50 Prozent der Bausubstanz New Yorks (Häuser mit weniger als 25'000 sf) von diesen gar nicht tangiert würden. Das bedeute, so fuhr er fort, eine Bevorzugung kleinerer Objekte und mache Verdichtung unattraktiv.

Unumstritten ist indes die Notwendigkeit, mehr begrünte Dächer über städtischen Bauten, Geschäftshäusern, Fabriken und Wohnanlagen zu realisieren. Deren praktischen Nutzen sehen fast alle (mehr Biodiversität, mehr Pflanzen, weniger Wärmeinseln, Effizientere Abführung von Regenwasser). Doch entstehen sie bis anhin noch zu selten. Höhere Steuernachlässe könnten hier ein guter Anreiz sein.

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