Österreichs Beitrag zur 17. Architekturbiennale

Elias Baumgarten
4. April 2019
Österreich zeigt an der 17. Architekturbiennale von Venedig die Schau «Platform Austria». Bild © mostlikely

Am Mittwoch, dem 3. April 2019, wurde bekannt: Die Wissenschaftler Helge Mooshammer und Peter Mörtenböck werden gemeinsam mit dem Büro mostlikely Österreichs Beitrag zur 17. Architekturbiennale von Venedig gestalten. Über ihre Schau «Platform Austria» ist noch wenig bekannt. Und vieles wird wohl überhaupt erst live in Venedig entstehen.

Dieses Jahr entschied erstmals ein Wettbewerb darüber, wer Österreichs Beitrag an der Architekturbiennale von Venedig gestalten darf. Bis zum 1. Februar 2019 wurden 39 Beiträge eingereicht. Die Jury bestehend aus Matthias Boeckl, Chefredaktor des Magazins architektur.aktuell, dem Architekten und Kritiker Ernst J. Fuchs, Verena Konrad, Direktorin des Vorarlberger Architektur Instituts (VAI), und Andreas Ruby, Direktor des Schweizerischen Architekturmuseums (S AM), wählte zunächst sechs Finalist*innen aus. Und schliesslich erklärte sie das Team aus den Wissenschaftlern Helge Mooshammer und Peter Mörtenböck sowie dem Büro mostlikely zum Sieger. Dies wurde am vergangenen Mittwoch von Kulturminister Gernot Blümel an einer Pressekonferenz verkündet. Der Schweizer Beitrag indes steht schon einige Tage länger: Gestalten wird ihn das Architektenteam Mounir Ayoub, Vanessa Lacaille, Fabrice Aragno und Pierre Szczepski vom Genfer Laboratoire d’architecture. Das verkündete die Kulturstiftung Pro Helvetia Ende März.

Bundesminister Gernot Blümel spricht mit Helge Mooshammer und Peter Mörtenböck. Bild: Andy Wenzel © Bundeskanzleramt der Republik Österreich
Wer sind die Sieger?

Helge Mooshammer ist Kulturtheoretiker und Architekt. Peter Mörtenböck ist Professor für Visuelle Kultur an der TU Wien. Beide forschen am Goldsmiths College der University of London. Zudem betreiben sie die Forschungsplattform ThinkArchitecture. Überdies leiten sie als Direktoren das Centre for Global Architecture, das an der TU Wien angesiedelt ist. Hierbei handelt es sich um eine interdisziplinäre Forschungsplattform.

mostlikely wurde 2012 in Wien gegründet. Das Büro von Wolfgang List, Maik Perfahl und Mark Neuner arbeitet in den Bereichen Architektur, Grafik und Design. Sein Werk reicht von Gebäuden und über Installationen bis hin zu Videos, Produktdesigns und der Organisation von Workshops. In Venedig wird sich das Team vor allem um die Ausstellungsarchitektur im österreichischen Pavillon kümmern.

Räumliche Potenziale der digitalen Revolution

Mooshammer und Mörtenböck sagen, Netzwerke wie Facebook und Instagram aber auch Uber und AirBnB hätten grossen Einfluss auf unsere Gesellschaft und unsere Städte. Mit ihrem Beitrag «Platform Austria» möchten sie an der 17. Architekturbiennale eine Debatte darüber anstossen. An der Pressekonferenz kündigten sie an, sich mit der «räumlichen Architektur» dieser «nichträumlichen Orte» auseinandersetzen zu wollen. Denn die digitale Revolution habe bisher keinerlei formale Entsprechung gefunden. All das tönt noch recht offen und wenig griffig.

Was erwartet uns in Venedig?

Da der Fokus der Schau auf dem Diskurs liegt und nicht auf der Präsentation von architektonischen Projekten, wird vieles erst vor Ort während der Biennale entstehen. Bekannt ist, dass Expert*innen im Rahmen einer sechstägigen residency von der Lagune aus über ihre Ansichten zu Zukunftspotenzialen in Architektur und Städtebau bloggen sollen. An der Fassade des Pavillons wird währenddessen der Schriftzug «We Like» zu lesen sein. Drinnen sind Projektionen von Bildern zum Thema der Schau geplant. Im Hof wird sich mutmasslich ein Verweil- und Begegnungsraum befinden. Unbekannt ist, wie dieser ausgestaltet sein wird. Ausserdem soll es «offene, fließende, dynamische Möbel geben», mit denen Bezug auf die Utopien und Visionen der Avantgarde der 1960er-Jahre genommen werden soll. Jene werden damit ein weiteres Mal bemüht, um gestalterische Entsprechungen zum Internetzeitalter zu formulieren. Für die Umsetzung stehen dem Kuratorenteam 450'000 Euro zur Verfügung – wie dies auch in den vergangenen Jahren der Fall war. Kritiker*innen, die dieses Budget für zu gering erachten, wurden (wieder) nicht erhört. In den Wettbewerbsunterlagen zum Schweizer Beitrag ist – zum Vergleich – ein Kostendach von 280'000 Franken definiert. Die Summe soll durch Gelder von Sponsoren aufgebessert werden. Akquirieren müssen diese die Kuratoren.

Wir gratulieren Helge Mooshammer, Peter Mörtenböck und mostlikely herzlich zu ihrem grossen Erfolg und freuen uns auf die Konkretisierung ihres Konzepts. Die 17. Architekturbiennale finden vom 23. Mai bis zum 20. November 2020 in Venedig statt.

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