Rendering und Wirklichkeit

 Jenny Keller
5. November 2015
Julius Shulmans Bild des Case Study House #22: Das Vor-Bild für jeden Renderer
Das Rendering und die gebaute Wirklichkeit werden im Feuilleton der NZZ gegenübergestellt.
Für einmal geht es in diesem interessanten, in der Mitte etwas langfädigem Text nicht um das Verhältnis von Architektur und technischen Möglichkeiten der Computerprogramme, nennen wir es den «Bilbao-Entwurfs-Effekt». Für einmal geht es um das Bild, dieses Hybrid zwischen Fotografie, Filmstill und Skizze.

Die Autorin schreibt «Die Wirklichkeit wirkt wie das Bild, das eine Wirklichkeit zeigt, die es noch gar nicht gibt. Irgendetwas stimmt hier nicht.» Es seien Szenen, die man im realen Leben zwar so sehe und erlebe (die vorbei fliegenden Vögel, die Mutter mit dem Kinderwagen, der Ballon, der in die Luft steigt), aber mit der traditionellen Fotografie nicht abbilden könne. «Sie (die Bilder) wirken vertraut, weil wir so oder ähnlich sehen, und irritieren, weil sie nicht mehr der gewohnten fotografischen Bildtradition entsprechen.»

Wir möchten dazu anmerken, dass es schön und Recht ist, über Atmosphäre und Fotografie zu sinnieren, doch in einer Zeit, in der Photoshop sogar als App auf dem Smartphone verfügbar ist, haben Bilder nichts mehr mit klassischen Fotografien zu tun. Ihnen gemeinsam ist lediglich eines: Julius Shulman wollte seine Fotos verkaufen, ein Architekt will einen Wettbewerb gewinnen, und eine Immobilienfirma will ihre Wohnungen an die Kundin bringen. Die Bilder, die sie dafür herstellen oder herstellen lassen, gehorchen dabei denselben Regeln, den Regeln des Marktes. Deshalb ist ein solcher Artikel in der NZZ wichtig und deshalb sollte man sich immer noch und immer wieder kritisch mit den Architekturvisualisierungen auseinandersetzen, sollten die Betrachter sich nicht von kunstvollen Visualisierungen täuschen lassen und der Architektur Professionalität zuschreiben, wenn eigentlich die elaborierte Machart des Bildes gemeint ist.

Der erwähnte Beitrag erschien in der NZZ vom 3. November.

 

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