Sag mir, wo die Standards sind

 Manuel Pestalozzi
20. Juni 2018
Zwei neue Gesichter im CRB-Vorstand: Dr. Joris Ernest Van Wezemael (rechts) und Alan Müller Kearns. Bild: CRB
Seit Jahrzehnten werden hierzulande Standards im Bauwesen von der Schweizerischen Zentralstelle für Baurationalisierung (CRB) verwaltet und weiterentwickelt. Jetzt muss sie die Digitalisierung bewältigen. Das gibt noch zu tun.
Die 56. Generalversammlung von CRB stand erneut ganz im Zeichen der Digitalisierung des Bauwesens, die als globaler Tsunami von aussen über die Schweiz hereingebrochen ist. Sinnigerweise versammelten sich die Mitglieder für die Auseinandersetzung mit dieser Herausforderung im Zoo von Zürich.
 
Die Pressemitteilung zum Anlass vermittelt den Eindruck, dass die Zentralstelle in erster Linie an Bewährtem festhalten möchte. Im vergangenen Jahr beschäftigte sich CRB mit der Ergänzung und Revidierung ausführungsorientierter Hilfsmittel wie des Normpositionen-Katalogs NPK und des Baukostenplans BKP sowie der Entwicklung neuer, elementbasierter Arbeitsmittel, die auf diesen basieren: dem eBKP-Assistant, dem eBKP-Gate und dem Objektarten-Katalog (OAK) Bildungsbauten. Dies soll die Basis bilden für den Weg in Richtung BIM-Kompatibilität. In Aussicht gestellt werden die Definition eines standardisierten Prozesses für Produktdatenvorlagen sowie die Erstellung spezifischer Produktdatenblätter.
 
Revolutionär oder gar disruptiv tönt das nicht – was es wohl auch gar nicht darf. Sobald es um Hardware und den Umgang mit ihr geht, werden Standards ihren Ansprüchen nur gerecht, wenn sie auf eine breite und explizite Akzeptanz stossen. Dies bedingt eine gewisse Trägheit. Sie ist allerdings schwer vereinbar mit der kurzlebigen Software, die intuitiv genutzt und bearbeitet wird, sich durch stete Updates kontinuierlich wandelt und der eine implizite Akzeptanz vollauf genügt. Eine Organisation wie CRB sitzt deshalb momentan wohl etwas zwischen Stuhl und Bank, da sie schnell reagieren sollte aber bestehende Ordnungen nicht einfach zerschlagen will kann. Man kann nur hoffen, dass sich die Organisation nicht in einem wachsenden Regelgestrüpp verfängt und die digitalen Strömungen absorbieren kann – hoffentlich zugunsten einer Vereinfachung für Anwenderinnen und Anwender ihrer Hilfsmittel.
 
Den Wandel im CRB verkörpern auch zwei neue Gesichter im Vorstand: Dr. Joris Ernest Van Wezemael und Alan Müller Kearns. Der neue SIA-Geschäftsführer J. Van Wezemael ist promovierter Wirtschaftsgeograf der Universität Zürich und habilitierter Architektursoziologe der ETH Zürich. Er tritt die Nachfolge von Hans-Georg Bächtold an, der sich in Vorstand und Ausschuss seit 2010 für den Ausbau der Zusammenarbeit von CRB und SIA eingesetzt hat. A. Müller Kearns ist dipl. Bauingenieur EPFL, MBA und Bereichsleiter Projekt- und Mobilitätsmanagement bei der Emch+Berger AG. Er vertritt die Interessen der Schweizerischen Vereinigung Beratender Ingenieurunternehmungen usic und übernimmt damit das Amt von Urs Allemann.
 

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