St. Gallens Notrufzentrale zieht um. Was aus ihrem aktuellen Bau wird, ist offen

Manuel Pestalozzi
11. Januar 2022
Die Notrufzentrale liegt auf dem Gelände des klösterlichen Stiftsbezirks. Erschlossen ist der Bau über ein historisches Nachbargebäude. (Foto: Andreas Praefcke via Wikimedia Commons, CC BY 3.0)

«Die Kantonale Notrufzentrale im Calatrava-Gebäude in St. Gallen pfeift aus dem letzten Loch», titelte das St. Galler Tagblatt bereits im September 2019. Der auffällige Pavillon von Santiago Calatrava im Klosterbezirk, der im Mai 1999 eröffnet worden war, sei sowohl aus betrieblichen Gründen (Zahl der Arbeitsplätze) als auch aus technischen (bauliche Sicherheit) nicht länger für die Nutzung geeignet, hiess es damals. Heute nähert sich die technische Ausstattung dem Ende ihrer Lebensspanne. Und sie mit moderner Technik zu ersetzt, ist aufgrund der räumlichen Verhältnisse im Calatrava-Bau nicht möglich. Zudem hatte es seit der Inbetriebnahme immer wieder Beschwerden seitens der Rettungskräfte über das Bauwerk gegeben. Zum Beispiel wurden das schlechte Raumklima und unangenehme Gerüche kritisiert. Also wird St. Gallen eine neue Sicherheits- und Verwaltungszentrale erhalten, in der auch die Kantonspolizei, die momentan auf mehrer Standorte in der ganzen Stadt verteilt ist, und die Staatsanwaltschaft unterkommen. Doch bis der Neubau in Betrieb genommen werden kann, wird es wohl noch bis 2033 dauern.

Daher braucht es für die Notrufzentrale eine Übergangslösung. Der Kanton schlägt vor, dass sie zwischenzeitlich in Räumlichkeiten des Baus des Einkaufszentrums Lerchenfeld an der Zürcherstrasse unterkommt. Die Kosten für diese Lösung und die neue technische Ausstattung werden auf über CHF 43 Millionen geschätzt. Daran beteiligen sich auch die Stadt St. Gallen sowie die Kantone Appenzell Ausser- und Innerrhoden. Der Kanton St. Gallen wird CHF 38,6 Millionen stemmen. Dafür wurde ein Sonderkredit beantragt, über den der Kantonsrat im Februar abstimmen soll.

Unklar ist indes, was aus dem Calatrava-Bau werden soll, der mit seinem beweglichen Lamellendach und dem schönen Kommandoraum beeindruckt. Der Pavillon, der mit einer Garagenzufahrt kombiniert ist, lässt sich nicht direkt von der Strasse betreten, sondern ist über das historische Gebäude Klosterhof 12 nebenan erschlossen. In diesem befindet sich unter anderem das Kriminalmuseum. So besteht eine gewisse Hoffnung, dass das architektonische Juwel dereinst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

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