Steinige Tristesse

Katinka Corts, Elias Baumgarten
2. Oktober 2019
Foto: Katinka Corts

Schottergärten sind grausam, findet Ulf Soltau. Doch gerade in Deutschland sind sie beliebt und auf dem Vormarsch. Auch in der Schweiz ist der Trend zu spüren. Der Biologe dokumentiert die schaurigsten Beispiele. Nun gibt es einen Teil seiner wunderbaren «So-Nicht!»-Sammlung in Buchform. Wir haben die «Gärten des Grauens» angesehen und das Buch gelesen.

Gärten nicht erst mühsam zu bepflanzen, sondern einfach mit Schotter zu überziehen, ist ungemein praktisch. Menschen, die wenig Zeit oder keinen grünen Daumen haben, profitieren gerne. Und so liegen Schottergärten nicht nur in der Schweiz im Trend, sondern vor allem auch in Deutschland. Doch dort wird diesen «Gärten des Grauens» nun augenzwinkernd der Kampf angesagt. Der Berliner Biologe Ulf Soltau zeigt in einem Buch, das beim Eichborn-Verlag erschienen ist, die schlimmsten Beispielen aus der Bundesrepublik – spöttische Kommentare inbegriffen.

Fotos: Katinka Corts
«Mit Satire erreicht man Menschen.»

Im Interview mit der Münchner Abendzeitung erklärte Soltau unlängst, was ihn zu seiner Sammlung bewogen hat: In Gartenforen habe er oft Bilder von Schottergärten satirisch kommentiert, was zur Folge hatte, dass er «aus den Foren verbannt» wurde. Sein logischer Schluss war, eine eigene Seite aufzugleisen. Seine steinigen Funde, die er mit der Kamera festhält, veröffentlicht er für gewöhnlich auf Facebook und Instagram. Dieses Jahr nun hat er einen Teil der gesammelten Aufnahmen in einem Buch publiziert. «Ich will diese Gärten gesellschaftlich unmöglich machen und die Menschen, die solche Gärten machen oder besitzen, beschämen», erläutert er. Mitunter scheint das tatsächlich zu funktionieren, denn in immer mehr deutschen wie auch Schweizer Gemeinden wird diskutiert, Schottergärten zu verbieten. Von ihrer fragwürdigen Ästhetik abgesehen, sind solche «Gärten», sofern man sie überhaupt so nennen darf, in Zeiten aussterbender Arten schlicht ökologisch nicht zu vertreten. Einen privaten Vorgarten, der an den öffentlichen Raum grenzt und für jedermann einsehbar ist, in eine tote Steinwüste zu verwandeln, versteht Soltau als «Affront gegenüber der Gesellschaft». Sein Appell: «Ja» zum Leben sagen und die vermeintliche Unordnung im Garten als die einzig wahre Ordnung der Natur akzeptieren!

Wir empfehlen das Buch und wünschen eine vergnügliche Lektüre.

Gärten des Grauens

Gärten des Grauens
Ulf Soltau

128 Seiten
Hardcover
ISBN 9783847906681
Eichborn
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