Usbekistan: Christ & Gantenbein kuratieren ersten Biennale-Auftritt

Juho Nyberg
8. April 2021
Traditionelles Geflecht: Mahallas in Usbekistan (Foto: La Biennale di Venezia / Christ & Gantenbein)

Erstmals wird sich die Republik Usbekistan an der nächsten Architekturbiennale präsentieren. Die Ausstellung wird von Christ & Gantenbein gestaltet.

«Wie werden wir zusammenleben?» – so lautet das Motto der 17. Architekturbiennale von Venedig. In Usbekistan stellen die Mahallas eine so traditionelle wie zeitgenössische Form des Zusammenlebens dar. «Historisch gesehen ist die Mahalla ein mächtiges kulturelles Zentrum und ein effektives Selbstverwaltungsorgan. Deshalb ist unser Nationalpavillon dieser Institution gewidmet, die das Fundament unserer Zivilgesellschaft ist», sagt Saida Mirziyoyeva, stellvertretende Vorsitzende des Rates der Stiftung für die Entwicklung von Kunst und Kultur beim usbekischen Kulturministerium.

Die Zahl der traditionellen Mahallas, die sowohl kulturelle Bedeutung haben als auch als Selbstverwaltungsorgan fungieren, wird auf über 10 000 beziffert. Dort leben jeweils 150 bis 2000 Personen. Diese althergebrachte Form der sozialen Organisation gerät mit der Modernisierung der Infrastruktur und der damit einhergehenden Wandlung der alltäglichen Wohnformen zunehmend unter Druck, obwohl sie sich durchaus grosser Beliebtheit erfreut.

Still eines Point-Cloud-Scans: La Biennale di Venezia / Christ & Gantenbein
Drei Formen der Annäherung

Dieses Spannungsfeld lotet das Biennale-Projekt des zentralasiatischen Landes unter der Führung von Emanuel Christ und Christoph Gantenbein aus – in Zusammenarbeit mit lokalen Berater*innen und Student*innen. Die Ergebnisse der Forschung werden in der Ausstellung auf unterschiedliche Art präsentiert: Einerseits mit einem 1:1-Modell eines Mahalla-Hauses, das den gesamten Raum der Quarta Tesa einnimmt, andererseits mit einer akustischen Annäherung an das Thema, aufgenommen vom spanischen Filmemacher Carlos Casas. Und schliesslich werden als dritte Perspektive Arbeiten des niederländischen Fotografen Bas Princen gezeigt, auf denen Ausschnitte von Mahalla-Häusern als Fragmente von Räumen zu sehen sind.

Im ersten Pandemiejahr konnte die Biennale nicht stattfinden. Nun beginnt sie am 22. Mai 2021 und endet am 21. November dieses Jahres.
 
Bei aller Vorfreude: Inwiefern die Einreise nach Italien praktikabel ist, muss sich zeigen.

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