Verdichtung im Kloster

Manuel Pestalozzi
22. Februar 2019
Bild: Markus Kaech

In der Zusatzqualifikation «Bachelor+» nahmen sich Studierende im Fachbereich Bau der Hochschule Luzern des aktuellen doch schwierigen Themas der Umnutzung an und exerzierten es am Kloster Wesemlin durch.

«Bachelor+» bereitet Studierende verstärkt auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit vor, die im Berufsleben immer wichtiger wird. 2018 arbeiteten zwölf von ihnen in interdisziplinär zusammengesetzten Teams von drei oder vier Personen zusätzlich zum normalen Pensum an einer Aufgabe. Sie hiess: «Umnutzung sakraler Räume und Erweiterung des Klosters Wesemlin». Das 1584 gegründete Kapuzinerkloster steht auf dem Wesemlin-Hügel in Luzern, oberhalb des Löwendenkmals.

Der Orden der Kapuziner steht vor enormen Veränderungen, weil die Zahl der Brüder stark abnimmt. Darauf haben diese bereits reagiert: Einige liessen sich versetzen. Das Kloster wurde in eine Zone für die 15 verbliebenen Brüder, eine Raum für Begegnungen und einen zu vermietenden Bereich unterteilt. Im Garten ist ein sechsstöckiges Haus mit 30 Wohnungen geplant. 

Die Aufgabe der Studierenden war es, neue Strategien und Nutzungsmöglichkeiten für die Kongregation zu finden. Sie lernten dabei, sich an den Bedürfnissen eines realen Auftraggebers zu orientieren, der im Falle der Kapuziner-Brüder spezielle Anforderungen stellte. So benötigt unter anderem jeder Bruder einen privaten Raum als Rückzugsmöglichkeit und der Kloster-Bereich muss von dem der neuen Mitnutzenden getrennt bleiben, damit die Mönche dem klösterlichen Tagesablauf ungehindert nachgehen können. Die Erweiterungen sollten nicht den Bestand nachbilden, aber das ganze Areal genauso wie die neue Nutzung die Grundsätze und Werte der Kapuziner widerspiegeln.

Gemeinsam mit den Brüdern erstellten die Studierenden vor Ort eine Bedürfnisanalyse. Anschliessend suchte eine Gruppe nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für die bestehenden Gebäuden, eine zweite plante einen Anbau und eine weitere entwickelte eine Variante, bei der die Brüder in einen Neubau auf dem Gelände ziehen. Für diesen wurde ein Gebäude aus Lehm und Holz entworfen, welches den traditionellen Kreuzgang modern interpretiert. Die Mönche wertschätzten all diese Lösungsvorschläge. Sie helfen Ihnen, mit den neuen Gegebenheiten und der Herausforderung einer grösseren Nähe zum Alltag umzugehen. Der Neubau stiess indes auf ihr besonderes Interesse; trotz der aus ökonomischer Vernunft angestrebten Verdichtung auf dem Klosterareal lässt er die gewünschte Distanzierung zu.

Verwandte Artikel

Vorgestelltes Projekt

MAD

Huangshan Mountain Village

Andere Artikel in dieser Kategorie