Verwandlung

 Susanna Koeberle
17. Dezember 2018
Das «Muzeum Susch» ist gut getarnt. Bild: Studio Sefano Graziani
Das «Muzeum Susch» der polnischen Sammlerin Grazyna Kulczyk ist fertig gestellt und wird Anfang 2019 eröffnet. Das Gebäudeensemble aus dem 12. Jahrhundert wurde behutsam restauriert.
Es ist soweit: Am 2. Januar wird das «Muzeum Susch» mit der Ausstellung «Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen» endlich eröffnet. Für den Umbau der drei Bauten, die zu einem Kloster mitsamt Brauerei gehörten, zeichnen die beiden Zürcher Architekten Chasper Schmidlin und Lukas Voellmy verantwortlich (wir haben im Vorfeld berichtet). Bei einem Baustellenbesuch im September  konnten wir uns von der Qualität des ambitionierten Bauvorhabens überzeugen. Es ging darum, alte Strukturen zu bewahren, und zugleich neuen Raum für die Kunst zu schaffen (dazu gehört auch ein Gebäude, das für Künstlerresidenzen genutzt werden kann). Da das äussere Volumen aus denkmalpflegerischen Gründen beibehalten werden musste, schufen die beiden Architekten zusätzlichen Platz, indem sie 9000 Tonnen Amphibolit (ein lokaler Stein) aushoben. Das Material konnte im Bau wiederverwendet werden. Das Zusammenspiel zwischen der archaischen Wucht des Gesteins und dem Eingriff der Architekten zeigt sich gleich beim Betreten des Museums. Diese Grotte wurde früher zur Kühlung des Biers verwendet und bietet nun Platz für ortsspezifische Installationen. Gekonnt machen die Architekten die Spuren der Geschichte sichtbar und pflegen dennoch eine moderne Sprache ohne unnötigen Schnickschnack.
Die Ausstellungsräume sind eher klein. Der ehemalige Eisturm (im Hintergrund) wurde um vier Meter erhöht. Bild: Studio Stefano Graziani
Ein Bauvorhaben dieser Tragweite umzusetzen, bedarf gerade in einem ländlichen Kontext guter Kenntnisse der lokalen Verhältnisse. Schmidlin und Voellmy haben beide schon Erfahrungen in der Gegend, wobei Schmidlin auch familiär in der Gegend verwurzelt ist. Eine der Herausforderungen bestand in der optischen und physischen Verbindung zwischen den drei Bauten. Gegenüber vom Museumsbau (der ehemaligen Brauerei) liegt die «Bieraria Veglia», wo sich ein Restaurant, ein Eventraum sowie Büroräumlichkeiten befinden. Zu den spektakulären In-situ-Arbeiten gehört die schwarze Metall-Skulptur der polnischen Künstler Monika Sosnowska im ehemaligen Eisturm der Brauerei, der eigens für dieses Werk um vier Meter erhöht wurde. Es bildet quasi den harten Kern des Museums, um den herum sich kleinere Räume gruppieren. Diese «Holzboxen» strahlen wiederum viel Wärme aus. Traditionelle, lokale Materialien und Bauweisen werden durch klar markierte zeitgenössische Eingriffe ergänzt und schaffen so eine inspirierende Atmosphäre für die ausgestellten Arbeiten.
Die Wucht des Berges in einem Museum. Bild: Studio Stefano Graziani

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