Wakkerpreis 2015 für die Gemeinde Bergell

 Jenny Keller
21. Januar 2015
Der Schweizer Heimatschutz begründet die Wahl der Bündner Talschaft damit, dass sie die bestehende wertvolle Baukultur und die intakte Kulturlandschaft als Standortvorteile erkannt habe.

Die Diskussion um die gebaute Zukunft der Schweiz sei aktuell vom Schlagwort der «Verdichtung» geprägt, doch zahlreiche Regionen der Schweiz haben mit Fragen der Abwanderung und dem Verlust von Infrastrukturen zu kämpfen. Adrian Schmid, Geschäftsleiter des Schweizer Heimatschutz sagt: «Die Gemeinde Bergell zeigt vorbildlich, wie eine Berggemeinde den Erhalt der lokalen Baukultur und den Wunsch nach Wachstum vereint.»

Das Bergell,  eine Talschaft am Rande der Schweiz, habe selbständige und kreative Lösungsansätze gefunden, um Herausforderungen wie dem Zweitwohnungsbau, der Abwanderung oder der Entleerung der Dorfkerne zu begegnen. Weiter schreibt der Heimatschutz in seiner Mitteilung: «Die meisten ehemaligen Gemeinden des Tals hatten ihre Bauzonen bereits vor der Fusion kompakt und am richtigen Ort angelegt. Dadurch blieben die Übergänge zwischen den historischen Dorfkernen und der Kulturlandschaft zu weiten Teilen frei von Neubauten. Durch Quartierpläne, Gestaltungsvorschriften und Dank der Definition von Ausbauetappen verläuft die Entwicklung der Baulandreserven koordiniert und garantiert bezüglich der baulichen Qualität Mindeststandards. Der gewünschte Bevölkerungszuwachs findet nicht nur in diesen Bauzonen statt, sondern trägt vor allem zur Belebung der historischen Dorfkerne bei. In ihnen stellen die zahlreichen nicht mehr genutzten landwirtschaftlichen Bauten ein Potential dar, das sinnvoll und verträglich aktiviert werden soll. Die Umnutzung dieser Gebäude wird wie sämtliche Bauprojekte in den Dorfkernen und den Quartierplanzonen durch eine obligatorische professionelle Bauberatung begleitet.»

Stallumnutzung, Stampa. Architekt André Born, 2012. Angemessene Umnutzungen von erhaltenswerten Bauten bieten eine nachhaltige Chance zur Wiederbelebung und Weiterentwicklung von Ortskernen und zum Erhalt und der Pflege von Kulturlandschaften. Bild © James Batten/Schweizer Heimatschutz
Passend zu den sommerlichen Fotos wird am 22. August der Preis der Gemeinde übergeben und mit einem Fest gefeiert. Wer es nicht ins Bergell schafft, höre sich die Reportage von SRF2 an, in der ein Reporter vor Ort berichtet.

http://www.srf.ch/news/regional/graubuenden/wakkerpreis-2015-geht-ins-bergell-die-reportage


Der Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes
Der Schweizer Heimatschutz (SHS) vergibt jährlich einer politischen Gemeinde den Wakkerpreis. Das Preisgeld hat mit CHF 20'000 eher symbolischen Charakter; der Wert der Auszeichnung liegt vielmehr in der öffentlichen Anerkennung vorbildlicher Leistung. Erstmals ermöglicht wurde der Wakkerpreis 1972 durch ein Vermächtnis des Genfer Geschäftsmannes Henri Louis Wakker an den Schweizer Heimatschutz. Seither sind weitere Legate eingegangen, dank denen der SHS den Preis bis heute vergeben kann.

Nach Guarda (1975), Splügen (1995), Vrin (1998) und Fläsch (2010) geht der Wakkerpreis zum fünften Mal in den Kanton Graubünden.
Palazzo Salis, Bondo. Archtektur Francesco Croce, 1766 bis 1775. Haus und Garten bilden eine harmonische Einheit. Die Anlage wurde in den 1990er Jahren nach gartendenkmalpflegerischen Kriterien schrittweise instand gestellt und subtil, aber pointiert weiterentwickelt. Bild © James Batten/Schweizer Heimatschutz
Villa Garbald, Castasegna. Neubau Miller und Maranta, 2004. Ein gekonntes Beispiel der inneren Verdichtung. Dieser präzise und selbstbewusst in das Siedlungsbild eingefügte Neubau ist das Resultat eines Architekturwettbewerbes, der mit Hilfe des Bündner Heimatschutzes von der Stiftung Garbald organisiert wurde. Bild © Christian Beutler/Keystone
Die Wohnsiedlung EWZ in Castasegna, Architektur Bruno Giacometti 1957 bis 1959. Bild © Keystone
Die intakte Kulturlandschaft, die bis heute eine einmalige Symbiose von Landschaft und Siedlung darstellt, wurde als wertvoller Standortvorteil erkannt – nicht nur für den Tourismus, sondern auch für die Wohn- und Lebensqualität. Bild: Keystone

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