Wakkerpreis 2020 für Baden

Manuel Pestalozzi
17. Januar 2020
Badens Lage im Bereich von zwei Klusen stellt die Stadt vor ganz spezielle Verkehrsprobleme. (Foto © Gaëtan Bally/Schweizer Heimatschutz)

Der Schweizer Heimatschutz zeichnet die Stadt Baden mit dem «Wakkerpreis 2020» aus. Eine ganz besondere Bedeutung hat dieses Mal die Beziehung der Stadt zur Topographie.

Baden im Kanton Aargau ist wohl die einzige grössere Schweizer Stadt, die im Bereich von zwei Klusen liegt, also von Durchbrüchen in einem Hügelzug; die Limmat durchdringt auf dem Stadtgebiet die östlichen Ausläufer des Faltenjuras und hat sich dabei tief in die Gesteinsmassen gegraben. An einer Flussbiegung in der Klus befinden sich 21 Quellen mit stark mineralhaltigem Thermalwasser, welche der linksufrigen Stadt den Namen geben und ihr seit der Römerzeit neben der günstigen Verkehrslage eine zweite Existenzgrundlage bieten. Immer wieder war Baden durch die Jahrhunderte ein beliebter Treffpunkt für den politischen und gesellschaftlichen Austausch.

Die Kehrseite der ungewöhnlichen Lage ist die zwar pittoreske, aber auch hindernisreiche Topographie. Stromschnellen machen die Schiffahrt zum Abenteuer, die historische Landstrasse fiel von Zürich her kommend steil hinab zum rechten Flussufer und stieg dann auf der anderen Seite der Holzbücke ebenso steil hinauf zur Altstadt, deren Zentrum am Rand des Haselfelds auf einer Geländeplattform liegt. Für die Spanisch Brötlibahn von Zürich nach Baden wurde von 1846 bis 1847 der erste Eisenbahntunnel der Schweiz durch Badens Schlossberg gebohrt. Die Züge konnten so südlich hinter der Altstadt durchgeleitet werden. Auf dem Haselfeld jenseits der Bahnlinie entstanden weitläufige Fabrikationsanlagen. Weitere Tunnels durch den Schlossberg für Schiene und Strasse verbesserten die Verkehrslage und entlasteten die bis heute sehr gut erhaltene historische Altstadt.

Der Umgang mit dem Verkehr ist denn auch eines der Hauptargumente, mit welchem der Schweizer Heimatschutz die diesjährige «Wakkerpreis»-Vergabe begründet. Baden habe ob der Verkehrsbelastung nicht resigniert, sondern ein eigenes, starkes Bewusstsein für den Wert ihrer öffentlichen Freiräume entwickelt, schreibt er. Die Altstadt habe sich zum lebendigen Arbeits-, Einkaufs- und Wohnort gewandelt. Die sicht- und erlebbaren Qualitäten seien das Resultat einer vorausschauenden Politik, einer kontinuierlichen Planung und des Willens der Stimmberechtigen, Geld zu sprechen für eine attraktive Innenstadt. Weitere lobenswerte Errungenschaften sind die historischen Parkanlagen, die als Teil der Identität und Stadtgeschichte erlebbar sind, und die Sicherung öffentlicher Freiräume in Entwicklungsgebieten, zum Beispiel der Trafoplatz im einstigen Industriegelände auf dem Haselfeld. Baden ist eine ebenso würdige Preisträgerin wie die kleinere Nachbargemeinde Turgi etwas weiter flussabwärts. Sie kam 2002 zu diesen Ehren.

Die offizielle Preisübergabe findet am 27. Juni 2020 im Rahmen einer öffentlichen Feier in Baden statt.

Nördlich des Strassentunnels durch den Schlossberg ist der neu gestaltete Schulhausplatz ein starkes Stück Stadtreparatur. Eine grosszügige unterirdische Passage verbindet seit 2018 die Vorstadt wieder mit der Innenstadt. (Foto © Pierre Marmy/Schweizer Heimatschutz)

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