Wehmut bei Basels «CityGate»

Manuel Pestalozzi
26. April 2019
Gegenüberstellung zweier Visualisierungen aus 2002 von Diener & Diener (links) und 2019 von SSA Architekten (rechts) bei architekturbasel.ch. Bilder: Diener & Diener | SSA Architekten

Auf der von Gleisen umschlossenen Miba-Industriebrache würde eine Siedlung im Park entstehen, wurde einst versprochen. Mittlerweile sind wesentliche Teile der Überbauung «CityGate» in Basel realisiert. Und für zwei weitere Bauten liegen neue Visualisierungen vor. Konsterniert stellen manche nun fest: Die Idylle ist ausgeblieben.

Die Ausgangslage lud zu romantischen Visionen ein; auf dem lange brach liegenden Areal östlich des Bahnhofs SBB, zwischen St. Jakobs- und Grosspeterstrasse, war ein veritabler Wald gewachsen. An dieser zentralen, gut erschlossenen doch stark vom Verkehr umflossenen Stelle Häuser im verträumten Grün? Das klang wunderbar. Die Versuchung war zu gross, diese Gelegenheit einfach an sich vorüberziehen zu lassen. Die Überbauung «CityGate» als poetische grüne Insel inmitten der brodelnden Rheinmetropole – diese Idee liess Herzen höher schlagen.

Eine Visualisierung aus dem Masterplan von Diener & Diener aus 2002 stellt den Traum  eindrücklich dar – und sie ist ein prägnantes Zeugnis der Verführungskraft der Bilder. Von den insgesamt vier Baufeldern des «CityGate» wurden seither die Baufelder C und D realisiert. Auf dem Baufeld A entsteht ein 10-geschossiges Gebäude mit 117 Mietwohnungen inklusive Gewerbeflächen gestaltet von Morger Partner, auf dem Baufeld B ein 12-geschossiges Wohn- und Gewerbegebäude mit 78 Wohnungen sowie einem Hotel mit 137 Zimmern aus der Feder von SSA Architekten. Eigentlich sollten diese Bauten von Diener & Diener beziehungsweise Herzog & de Meuron gestaltet werden. Leider bleiben sie gemäss neuster Visualisierungen für manche weit hinter den von den Masterplan-Illustrationen genährten Erwartungen zurück. Lukas Gruntz von architekturbasel.ch gab im März von seiner Enttäuschung kund, vor wenigen Tagen doppelte die Basler Zeitung (BaZ) nach.

Den Kritiker*innen sind die Häuser zu gross, zu schwer, zu brutal und zu grau. Vom «ursprünglich angepriesenen Waldgedanken» sei kaum mehr etwas übrig, klagen sie. Die Frage, ob der Allgemeinheit mit den frühen, verheissungsvollen Visualisierungen Sand in die Augen gestreut wurde, ist berechtigt. Andererseits ist es legitim, mit dem Masterplan der Phantasie etwas Spielraum zu geben. Dass sich die Beteiligten auf dem Weg zur Realisierung dann nicht allein von romantischen Prinzipien leiten lassen würden, war durchaus vorhersehbar – da braucht man nicht gleich «Fake News!» zu schreien. Vielleicht sollten wir die Anlage erst gänzlich fertig werden lassen, bevor wir sie abschliessend bewerten.

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