Weissbuch für graue Flächen

14. November 2017
So sieht Verdichtung im Hochschulgebiet Zürich Zentrum aus. Blick entlang der Gloriastrasse zur Universität Zürich gemäss Stadtraumkonzept ARGE Studio Vulkan & KCAP Architects & Planners. Bilder: Kanton Zürich, Amt für Raumplanung
Die Stadt Zürich will sein zentrales Hochschulgebiet stärker mit der Umgebung und dem Alltag verzahnen. Dafür hat sie ein Stadtraumkonzept erarbeiten lassen. Resultat: Neue Wünsche und Visionen, die in einem Weissbuch festgehalten werden.
Swiss-Architects hat in den vergangenen Jahren mehrmals über die Entwicklungen im Hochschulquartier berichtet, in der Regel unter dem Begriff Berthold. Hinter diesem Namen versteckt sich das Projekt für die universitäre Medizin – nennen wir es mal das Spanferkel auf der Platte. An der Veranstaltung der SP Zürich 6 vom 13. November 2017 wurde nicht von ihm gesprochen sondern von den Erbsli und Rüebli, in die es eingebettet werden soll: den Beilagen.
 
Es kommt wohl nicht jeden Tag vor, dass in dieser Massstabsebene zuerst der Aussenraum neu definiert wird und anschliessend sein gebauter Rahmen, der eigentlich der Anlass zu dieser Neudefinition ist. Doch das ist eben in Zürich geschehen: Die Stadt stellt sich vor, wie sich die Parks und Strassenräume anfühlen werden, während die Umrisse der Umgebung noch vage Schemen sind, die weder Schatten werfen noch Echos auslösen.
In der «Parkschale» bei der Einmündung der Gloriastrasse in die Rämistrasse. Stadtraumkonzept ARGE Studio Vulkan & KCAP Architects & Planners. Links über dem Dachring ist schemenhaft der Kernbau Ost des neuen Universitätsspitals zu erkennen.
Kein Zweifel, die Absicht der Stadtpolitik ist redlich. André Odermatt, Vorsteher von Zürichs Hochbaudepartement, wiederholte am Anlass im Kreis 6, dass er die Umwälzungen im Quartier als Chance sehe, eine städtebaulich da und dort unbefriedigende Situation zu verbessern. Das Hochschulquartier könne näher an die Bevölkerung und ihren Alltag herangeführt werden. Die neuen Aussenräume hätten das Potenzial, das Hochschulquartier zu einem allgemeinen Ausflugs- und Freizeitziel zu machen.
 
Sekundiert wurde André Odermatt von Lukas Schweingruber, Landschaftsarchitekt beim Studio Vulkan. Dieses war zusammen mit KCAP Architects & Planners mit IBV Hüsler AG, Zürich, Fahrländer Partner AG, Zürich, Christian Salewski & Simon Kretz Architekten GmbH, Zürich, für jenes Stadtraumkonzept verantwortlich, das nach dem Studienauftrag nach SIA zur Weiterbearbeitung ausgewählt wurde. Er bezeichnete sein Konzept als «Gerüst mit grauen Flächen». Die grauen Flächen zeigen unter anderem den Lagerplatz für das Spanferkel, das sich den Erbsli und Rüebli anschmiegen soll.
 
Verschiedene Vorschläge betreffen die Eigenschaften der zu projektierenden Bauten: die Durchwegung mit öffentlich zugänglichen Passagen beispielsweise, öffentliche Erdgeschossnutzungen oder Versätze in der Fassadenflucht. Sie werden in ein Weissbuch aufgenommen, das, so Stadtrat Odermatt, von allen beteiligten Bauherrschaften als verbindlich erklärt werden soll. Anschliessend wird man sie in den Programmen zu den Architekturwettbewerben vorfinden. Bei Verstössen gegen das Weissbuch könne die Stadt die Baugenehmigung verweigern. Für die an Berthold beteiligten Planungsteams bedeutet das mehr Auflagen, die potenziell kostentreibend sind und quer zu den Absichten einer rationalen Spitalplanung stehen könnten.
 
Mit diesen Bedenken konfrontiert, meinte Stadtrat Odermatt, die Spitalleitung sei weit gereist, um Negativ- und Positivbeispiele von Spitalanlagen zu besichtigen. Es gebe, so habe sie herausgefunden, in der Spitalplanung einen Trend hin zu einer grösseren Flexibilität. Beispielsweise werde nicht mehr für spezifische vordefinierte medizinische Disziplinen geplant. Auch die Nähe zum Umfeld der Spitalanlagen erfahre eine grössere Berücksichtigung. Er sagte aber auch, dass finanzielle Fragen im Zusammenhang mit dem Stadtraumkonzept mit allen Beteiligten gründlich ausdiskutiert werden müssten. Offenbar wird es zu harten Diskussionen zwischen Stadt, Kanton, ETH, Universität und dem Universitätsspital kommen. Mit Spannung darf man auf die Resultate der ersten Projektwettbewerbe warten. Noch nie, so macht es den Eindruck, setzte man solch grosse Hoffnungen in Architekturteams. Ihre Kreativität soll im Hochschulgebiet mehr als einen gordischen Knoten durchtrennen.
 
Blick entlang des «Boulevards» zum Gloriarank. Stadtraumkonzept ARGE Studio Vulkan & KCAP Architects & Planners. Rechts – und talseitig – ist Gottfried Sempers Sternwarte in einem neu anzulegenden Park.

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