Wiedergeburt einer Ikone

Susanna Koeberle
27. September 2022
Der Schweizer Designer Alfredo Häberli nahm die Herausforderung an, eine Uhren-Ikone neu zu interpretieren (Foto © Rado)

Er sei eigentlich das Gegenteil der «DiaStar», sagte Alfredo Häberli anlässlich der Präsentation seines Re-Designs der erstmals 1962 lancierten Uhr des Schweizer Herstellers Rado – nämlich nicht kratzfest. Die Armbanduhr sorgte damals für eine Sensation. Mit ihrem Gehäuse aus wasserdichtem und resistentem Hartmetall und dem Glas aus kratzfestem Saphirkristall revolutionierte die «DiaStar» die Uhren-Welt. «Dia» verweist auf die besondere Härte und Belastbarkeit des Edelsteins Diamant und «Star» auf den Glanz von Sternen. Der Namen scheint der Uhr Glück gebracht zu haben. Dass ein Modell so lange auf dem doch sehr volatilen Uhrenmarkt Bestand hat, ist selten.

Der Entwurf von Alfredo Häberli wurde zum 60-Jahr-Jubiläum des Urmodells im Schweizerischen Nationalmuseum präsentiert. (Foto © Rado)

Der Schweizer Designer sass vor einigen Jahren in der Jury des «Rado Star Prize», der in Zusammenarbeit mit dem «Design Preis Schweiz» veranstaltet wurde, und kam so mit der Firma in Kontakt. Einige Jahre später trat Rado mit dem Auftrag an ihn heran, zum 60-Jahr-Jubiläum die Ikone neu zu interpretieren. Häberli sah sich vor eine unmögliche Aufgabe gestellt – den Entwurf nicht zu ändern und dennoch etwas Neues zu entwerfen. Trotzdem nahm der bekannte und international tätige Gestalter, der vom Glas bis zum Haus schon fast alles entworfen hat, die Herausforderung an. Schliesslich sammelt er selber Uhren und hat eine entsprechend emotionale Beziehung zu ihnen. Seit er mit 18 Jahren von seinem Vater eine Uhr erhielt, die dieser wiederum von seinem Vater bekommen hatte, war es sein Traum, eines Tages selber eine Uhr zu designen.

Das erste Modell von 1962 war bezüglich seiner neuen Materialeigenschaften eine Sensation. (Foto © Rado)

Seine Herangehensweise an das Re-Design des Urmodells sei von Respekt und Demut geprägt gewesen, sagte Häberli beim Launch im neuen Trakt des Zürcher Landesmuseums. Nichtsdestotrotz wollte er ein Statement machen und die Uhr mit seiner Interpretation in die Jetztzeit holen. Für den Entwurf hatte er nur zehn Tage Zeit, aber angesichts der Tatsache, dass er unbewusst schon seit Jahrzehnten an einem Uhrenmodell gearbeitet habe, sei diese kurze Zeit für seine Skizzen ausreichend gewesen. Basis für den Entwurf waren auch sein grosses Wissen auf diesem Gebiet sowie die genaue Analyse der Machart und Geschichte der «DiaStar».

Die grösste Herausforderung bestand in der technischen Umsetzung seines Entwurfs. Häberli griff bis ins kleinste Detail in die Hardware des Entwurfs ein – von der Positionierung des Sekundenzeigers über den hexagonalen Schliff des Glases bis hin zur Materialisierung des Uhrenarmbands. Entstanden ist ein Design, das in seiner Zurückhaltung, Präzision und Sensibilität ein typischer Häberli-Entwurf ist und zugleich die DNA des ersten Modells in sich trägt. Die neue Uhr kommt in einer von Häberli entworfenen ledernen Hülle und besitzt zwei verschiedene Armbänder. Das Stahlgeflecht und das aus grobem Stoff gewobene Textil haben beide etwas Haptisches, verfügen aber dennoch über eine ganz eigene Anmutung.

Die Materialisierung sowie andere subtile Veränderungen sind dezent und doch ein Statement. (Foto © Rado)

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