Zürich stimmt ab – und wie!

 Manuel Pestalozzi
4. Juni 2018
Wollen die Stadtzürcherinnen und –zürcher das erweiterte Ausbildungszentrum Rohwiesen, grenznah in der Nachbargemeinde Opfikon gelegen? Am 10. Juni wird es sich weisen. Bild: Staufer & Hasler Architekten in Abstimmungszeitung
Am kommenden Wochenende dürfen die Stimmberechtigten der Stadt Zürich über nicht weniger als zehn Vorlagen entscheiden. Neun betreffen Architektur und Städtebau. Es geht um ziemlich viel Geld – und Aufträge.
Bei gerade mal zwei der betreffenden neun Geschäften geht es nicht um städtische Ausgaben: Der Sechseläutenplatz beim Bellevue soll – l’héritage de Zwingli oblige – weniger für Fun, Kommerz und andere Frivolitäten bespielbar sein und stattdessen frei bleiben. Der Gemeinderat hat zu dieser Volksinitiative einen Gegenvorschlag (nicht in die zehn Vorlagen eingerechnet) ausgearbeitet – es soll demnach etwas weniger weniger werden.
 
Auch die Volksinitiative «Wohnen und Leben auf dem Koch-Areal», eingereicht von einem Initiativkomitee aus Vertreterinnen und Vertretern der FDP der Stadt Zürich, ist bei einer Zustimmung des Stimmvolks ohne Kostenfolgen. Sie will, dass das seit Jahren besetzte Areal in Zürich-Altstetten, früherer Geschäftssitz des Heizöllieferanten Koch, den die Stadt einst der UBS abkaufte, wieder veräussert wird, mit der Auflage, dort eine gemischte Nutzung, zu einem Drittel gemeinnützig, zu realisieren. Stadt und Gemeinderat lehnen diese Initiative in der Merhheit ab und kontern sie mit der Vorlage «Gemeinnütziger Wohnungsbau auf dem Koch-Areal, Übertragung der Wohnbaufelder vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, Objektkredit von 35,126388 Millionen Franken und Genehmigung Projektierungskredit (Eventualverpflichtung) von 6,887 Millionen Franken». Im Ernst: Die Kommastellen hinter der ersten Zahl sind so aus der Abstimmungszeitung übernommen. Das gilt auch für die folgenden Beträge.
 
Womit wir beim Geld wären und zu den übrigen Projekten kommen, wo es um Resultate von Architektur- und Landschaftsarchitekturwettbewerben geht und man Kolleginnen und Kollegen die Daumen drücken muss. Folgendes will die Stadt Zürich abgesegnet haben:

Gartenareal Dunkelhölzli mit Erneuerung Wirtschaftsgebäude, Bachöffnung, Hochwasserschutz, Objektkredit von 10,51 Millionen Franken (Projekt Studio Vulkan Landschaftsarchitektur)
 
Bürogebäude Eggbühlstrasse 21/23/25, Quartier Seebach, Instandsetzung und bauliche Anpassungen für die städtische Verwaltung, Übertragung vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, Objektkredit von 119,063 Millionen Franken. (Projekt fsp Architekten AG – das Gebäude stammt aus den 1990er-Jahren)
 
Neue kommunale Wohnsiedlung Herdern, Quartier Aussersihl, sowie Energie-Contracting, Objektkredit von 28,565 Millionen Franken (Projekt Nimbus Architekten)
 
Ausbildungszentrum Rohwiesen, Opfikon, Erweiterung und Instandsetzung, Integration Sporthalle für die Schule Auzelg, Objektkredit von 118,84 Millionen Franken (Projekt Staufer & Hasler Architekten)
 
Areal Herdern-, Bienen- und Bullingerstrasse, Quartier Aussersihl, Erweiterung VBZ-Busgarage Hardau und Ersatzneubau ERZ-Werkhof, Übertragung des Grundstücks vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, Objektkredit von 57,44 Millionen Franken (Projekt pool Architekten)
 
Grundstück Mühleweg, Escher-Wyss-Quartier, Neubau für die Kriminalabteilung der Stadtpolizei, Übertragung vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen, Objektkredit von 82,37358 Millionen Franken (Projekt Penzel Valier AG)
 
Wenn man die erwähnten Beträge zusammenzählt, dann kommt man auf ein stolzes Total von CHF 458,804968 Mio, also nicht ganz eine halbe Milliarde. Aufgrund der aktuellen politischen Lage in Zürich ist davon auszugehen, dass sich der Wille der Mehrheiten in Stadt- und Gemeinderat auf der ganzen Linie durchsetzt. Das wären natürlich gute Nachrichten für die betreffenden Architektur- und Landschaftsarchitekturbüros und das Baugewerbe. Als Stimmberechtigter und Steuerzahler fragt man sich aber auch etwas bange, ob die Stadt auf Jahre hinaus solche Kosten stemmen kann.
 

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