Zum Tod von Andreas Meck

Ulf Meyer
28. August 2019
Andreas Meck (Foto: Magdalene Jooss)

Deutschland hat einen seiner herausragendsten Architekten der Gegenwart verloren: Andreas Meck ist im Alter von nur 59 Jahren verstorben. Er befand sich auf dem Höhepunkt seines architektonischen Schaffens. Besonders schwer trifft sein Tod wohl die Münchner Architekturszene: In der bayerischen Kapitale war Meck als Professor, Dekan, Juror und beim Architekturmuseum der TU stark engagiert.

Sakralbauten waren Andreas Mecks Spezialität: Bei der Aussegnungshalle in München-Riem (2000) gab er gemeinsam mit Stephan Köppel dem schweren Baustoff Beton einen geradezu luftigen Ausdruck. Schwerelos scheint sich die Decke auf mosaikartigen Steinwänden abzustützen. Für das Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert-Mayer in Poing bei München (2018) – Anfang des Jahres noch mit dem Preis des Landesverbands Bayern des Bunds Deutscher Architekten (BDA) als «Besonderer Bau» ausgezeichnet – hat Meck hingegen einen weissen «Berg» entworfen, auf dem das goldene Kreuz wirkt wie die Spitze eines alpinen Gipfels. Am 20. August 2019 ist Andreas Meck im Alter von nur 59 Jahren verstorben. 

Als vor genau zehn Jahren das «Ehrenmal für die Gefallenen der Bundeswehr» in Berlin eingeweiht wurde, entbrannte in Deutschland eine Diskussion: War das Mahnmal ein «begehbares und räumlich erlebbares Gesamtkunstwerk», wie die Architekten behaupteten, oder eine «bessere Garage» am Bendlerblock, wie die Kritiker*innen wehklagten? Über eine Konstruktion aus Stahlbeton hatte Meck ein durchbrochenes Bronzekleid gelegt, in das die Form halber Erkennungsmarken gestanzt wurden. Der Anordnung der Marken lag eine Codierung zugrunde, die den Eid der Zeit- und Berufssoldaten, das Gelöbnis der Wehrdienstleistenden sowie den Amtseid der Wehrverwaltung darstellt. Auf kleinster Fläche bot der Entwurf also eine ganze Reihe von Assoziationen. Das Berliner Denkmal gilt nicht zuletzt deswegen als Mecks Opus Magnum, weil es mit einfachen Mitteln eine reiche Atmosphäre erzeugt: Am Ende des schwarzen Raums im Inneren tritt eine Bodenplatte empor, an der Kränze abgelegt werden und die «das Ausmaß der Gewalt und des Unglücks steht, welches ein Menschenleben hat enden lassen.» Das Schattenspiel aus halben Erkennungsmarken und die Nennung der Toten als Schrift aus Licht schaffen interessante Lichtsituationen: Die Namen der gefallenen Soldaten erscheinen körperlos.

Der 1959 in München geborene Meck hat Architektur an der TU München und der AA in London studiert. Im Jahr 1989 gründete er sein Architekturbüro in München und arbeitete zugleich auch als Assistent an der Akademie der Bildenden Künste in der bayerischen Landeshauptstadt. Seit 1998 war Meck Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in München und seit 2013 Dekan der Fakultät für Architektur. Neben seiner Tätigkeit als Entwerfer beriet Meck auch Städte und Gemeinden, war als Juror tätig und engagierte sich für das Architekturmuseum der TU München.

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