Zumthor an der Düsteren Strasse

 Manuel Pestalozzi
11. März 2016
Das Volumen in der Eckparzelle mit dem steilen Satteldach ist gut zu erkennen. Bild: nh/www.hna.de
Dem im Bündnerland ansässigen Pritzker-Preisträger Peter Zumthor wird angeboten, in der Altstadt von Göttingen ein kleines Verlagshaus zu entwerfen. Den Bauplatz findet er sehr inspirierend.
Small is beautiful. Neben dem Steidl Verlag gibt es die Little Steidl Nina Holland und Gerard Sohn Verlag OHG. Wie der grosse Steidl gibt auch der kleine Bücher zur Kunst heraus – nur richten sich diese an die Kleinen. Künstlerinnen und Künstlern gibt der Verlag die Gelegenheit, in Buchpublikation direkt Kinder anzusprechen. Die Adresse seines Geschäftssitzes tönt geheimnisvoll und verwunschen: Düstere Str. 4, 37073 Göttingen. Die altehrwürdige Universitätsstadt an der Leine ist mit Sicherheit der passende Ort für ein Unterfangen dieser Art, und irgendwie überrascht es nicht, dass Peter Zumthor laut einem Pressebericht auf eine schriftliche Anfrage um einen Entwurf positiv reagierte. Die geschichtsträchtige Lage in Göttingens Altstadt muss den langjährigen Mitarbeiter der Bündner Denkmalpflege inspiriert haben.
 
Der Geschäftssitz wird sich leicht verschieben. Die beiden Geschäftsführer von Little Steidl haben das wenig ansehnliche und baufällige Gebäude Düstere Strasse 2/Ecke Turmstrasse gekauft und wollen auf dieser Eckparzelle Verlag und Druckerei einrichten. Peter Zumthor hat die ihm bisher unbekannte Stadt besucht und findet sie sehr interessant. Er erkennt die Möglichkeit, in einem baulich wenig homogenen Viertel einen Akzent zu setzen. «Ein Eckgebäude kann in einer Altstadt durchaus höher sein, eine Abgrenzung, einen Blickfang bilden», wird er zitiert. Er hat ein vier Quadratmeter grosses Situationsmodell aus gebranntem Ton erstellt, welches die Wirkung seiner Idee für einen Neubau in der Stadtsilhouette zeigt.
 
Geplant ist ein reiner Backsteinbau. Die Ziegel sollen nicht neu gebrannt werden, sondern aus historischen Beständen kommen. Die Kunstverlegerin Nina Holland träumt bereits davon, später im garantierten Publikumsmagnet von Zumthor zu arbeiten und zu wohnen – wenige Schritte entfernt vom frisch eröffneten Grass-Archiv. Das Modell ist so etwas wie der Start einer Kampagne, welche die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger vom Projekt überzeugen soll. Und auch wir hoffen, dass es nicht bloss beim Ton-Modell bleibt.
 

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