Bauen mit Hanf

Martina Metzner
20. Mai 2021
 Foto: Maren Krings Photography

Das vielseitige Naturprodukt kommt in Kombination mit Kalk zwischenzeitlich auch als Baustoff zum Einsatz.

Hanf ist eine vielseitige Nutzpflanze: Seine Samen, Fasern, Schäben, Blätter und Blüten werden als Einstreu für die Tierhaltung, für Textilien oder beispielsweise als Öl in der Küche verwendet. Hanf kann aber auch als alternatives Baumaterial genutzt werden. Neben der Beimischung in Putzen und Beton gibt es inzwischen Hanffaserplatten und Hanfziegel (genauer: Hanf-Kalk-Ziegel). Während die Hanffaserplatten bei Innen- und Aussendämmungen Anwendung finden, sind Hanfziegel als nichttragende Ausfachung für Aussen- und Trennwände geeignet. Noch kommen Hanf-Kalk-Ziegel freilich nur in Nischenprojekten vor, das könnte sich aber bald ändern, schliesslich streben wir ein ressourcenschonendes, klimagerechtes und gesundes Bauen an. Dies bringt, das zeigt sich bereits vielerorts deutlich, die Wiederentdeckung von traditionellen Naturmaterialien wie Holz, Lehm und Stroh mit sich.

 Foto: Maren Krings Photography

Aus den Hanfschäben vermengt mit Wasser und Naturkalk entstehen die zu 100 Prozent natürlichen Hanfziegel, die so hart sind wie Stein und die von Unternehmen wie Schönthaler aus Südtirol oder Isohemp aus Belgien in unterschiedlichen Konfektionen angeboten werden. Hanfziegel vereinen viele Vorteile: Sie sind stabil, wirken akustisch und dämmen zugleich. Ausserdem brennen sie nicht (Brandschutzklasse s1, d0), bilden keinen Schimmel und auch Nagetiere und Ungeziefer halten sich von der Hanf-Kalk-Mischung fern. Wie viele andere traditionelle Naturmaterialien wirkt Hanf auch positiv auf das Raumklima, durch den ionisierenden Effekt entzieht er der Luft Feinstaub, Pilzsporen und Bakterien, reguliert Raumfeuchte und duftet nicht zuletzt angenehm. 

Hanf wächst selbstredend nach und ist biologisch abbaubar. Der Einsatz von Hanfprodukten macht gerade auch als Ergänzung im Holzbau ökologisch Sinn. Schliesslich wächst Hanf schneller und benötigt dabei weitaus weniger Fläche als dieselbe Menge an Holz. Die Hersteller behaupten sogar, Hanf sei klimanegativ, da dieser CO2 in hohem Masse speichere. Und auch die Verarbeitung ist einfach: Vermauert werden können die Hanf-Kalk-Ziegel mit Isoliermauer- oder Kalk-Hanf-Mauermörtel. Grund und Feinputz müssen atmungsaktiv sein. Die sägbaren «Steine» können innen auch ohne Verputz direkt mit Kalkmilchfarbe oder Lehmfarbe gestrichen werden.

Foto: Otra.be

Wie alle Produktrezensionen wurde dieser Artikel von German-Architects übernommen.


Auch der Traditionsbaustoff Lehm feiert derzeit eine Renaissance. Roger Boltshauser und sein Team haben sich intensiv mit dem Material befasst und ein Überblickswerk herausgegeben. 

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