Der Natur entsprungen

Thomas Geuder
1. Juli 2014
Als champagnerfarbenes Oval vor der Berglandschaft sticht dasneue InterContinental Davos hervor. (Foto: InterContinental)

Das neue InterContinental Hotel in Davos markiert einen weithin sichtbaren Punkt in der graubündener Berglandschaft, wirkt durch die Stahlfassade und die prägnante Form zunächst recht technoid. Doch Fassade wie Interieur haben viel mit der Natur gemein.

Ohne Zweifel ist Davos ein Ort der Hotels und Geschäfte (mit ein wenig Museum, wie dem wirklich sehenswerten Kirchner Museum, aus der architektonischen Feder von Gigon/Guyer), ausgerichtet auf den Tourismus, der hier vor allem im Winter stattfindet. Nicht wenige sagen, der winterliche Fokus sei auch gut, denn dann legt sich ein verwunschener, weisser Schleier über den ansonsten etwas sterilen Fleck in der Landschaft. Nun, dem muss man nicht unbedingt zustimmen, denn auch ein ausgewiesenes Ski-Gebiet bietet im Sommer meist viele Attraktionen zur Freizeitgestaltung, und seien es «nur» eine wunderbare Berglandschaft und die klare Luft auf über 1500 Höhenmetern. Im Falle von Davos jedenfalls verwundert es ob des winterlichen wie sommerlichen Urlaubsangebots nicht, dass zu den ohnehin schon über 90 vorhandenen Hotels ein weiteres hinzugekommen ist: Das InterContinental Davos wurde erbaut auf einem Flurstück mit dem schönen Namen «In der Stilli», was auf die ruhige und geschützte Lage hinweist. Von hier aus hat man einen weiten Blick über das in die Bergwelt eingebettete Davos.

Wie bei einem Stecksystem wurden die vorgefertigten Teile der prägnanten Fassade vor Ort zusammengefügt. (Foto: seele / René Müller Photographie)
An den grosszügigen Balkonen bilden die Fassadenelemente gleichzeitig die Brüstung. (Foto: seele / René Müller Photographie)

Seine exponierte Lage macht das Haus umgekehrt natürlich auch zum Blickfang von der Stadt aus. Ein Umstand, aus dem es jedenfalls architektonisch keinen Hehl macht: Die Gebäudeform besteht aus einem grossen Oval, verkleidet mit champagnerfarbenen Stahlelementen, die sich nicht nur farblich vom Umfeld hervorheben, sondern auch im Sonnenlicht kräftig leuchten. Entwickelt wurde die Fassade (sowie einige andere Bereiche im Haus) von den Münchner Architekten Oikios. Insgesamt sechs Jahre lang wurde sie per 3D-Modell geplant und produziert. Die insgesamt 62.000 Einzelteile wurden zu 791 dreidimensional gekrümmten, bis zu knapp 15 m langen Brüstungselementen zusammengeschweisst, mit einem Gesamtgewicht von 820 Tonnen. Man würde vermuten, dass hierfür Aluminium verwendet wurde, jedoch schlug die Firma Seele, die sich auch für die Herstellung der Fassade verantwortlich zeichnet, die Verwendung von Stahl vor, als Konstruktion mit rechteckigem Querschnitt und lasergebrannten Primär- und Sekundärrippen. Der in allem Elementen im Grundraster gleich aufgebaute Trägerrost bildet die räumlichen Krümmungen aus. Der darüber elastisch bespannte Stahl ist 3 mm stark. Inspirationsquelle für diese prägnante Fassade waren für die Architekten übrigens die Fichtenzapfen aus dem angrenzenden Wald mit ihren glatten Samenschuppen – ein durchaus «natürlicher» Entwurfsgedanke also.

Die Innenräume sind geprägt von warmen Farben, passend zur Fassade, und natürlichen Materialien. (Foto: Bauwerk Parkett)

Natürlich im Sinn von «echt» geht es auch im Innenraum weiter. Eine wahre Freude für den Architekten hier: Materialimitationen sucht man hier im Prinzip vergeblich. Naturstein ist Naturstein, Holz ist Holz, Leder ist Leder – heutzutage eher eine Seltenheit im Hotelbau. Auch zahlreiche Designerstücke und Produkte von Luxusmarken sind Teil des Innenraumkonzepts. Die Botschaft dahinter ist klar: Der (gut betuchte) Gast soll sich wohlfühlen! Farben und Materialien sind bestens aufeinander abgestimmt und hochwertig verarbeitet. Der warme Farbton, der durch die Fassade aussen auf den Aufenthalt einstimmt, wird in den Zimmern innen weitergeführt. Deren Raumcharakter wird optisch wie haptisch vor allem bestimmt durch den Fussbodenbelag aus teilweise geräuchertem Eichenparkett aus dem Hause Bauwerk Parkett. Die 210 cm lange und 190 cm breite Landhausdiele «Villapark» besteht aus zwei Schichten mit einer Nutzschicht von 2,5 mm auf einer HDF-Schicht, die vollflächig auf dem Boden verklebt wird, wodurch man im Zimmer auf leisen Sohlen unterwegs ist. Die strukturierte Oberfläche verspricht auch beim Begehen mit blossen Füssen ein haptisches Erlebnis. Barfuss wiederum sollte man in Hotels jedoch ohnehin nicht unterwegs sein – die hauseigenen Pantoffel sind eine gute Alternative.

Die Eichendielen wurden teilweise geräuchert, was ihnen den typischen dunklen Farbton verleiht. (Foto: Bauwerk Parkett)
Die Hölzer des Parketts Villapark stammen ausschliesslich aus Beständen, die nachhaltig angebaut wurden und wurden zu 100 % am Bauwerk-Hauptsitz in St. Margarethen produziert. (Foto: InterContinental)
Ihre natürlich haptische Oberfläche erhalten die Dielen durch eine «tief gebürstete» Behandlung. (Foto: Der Raumjournalist Thomas Geuder)
Die Kollektion Villapark ist in 13 Farben und 5 Oberflächen erhältlich. (Quelle: Bauwerk Parkett)
Geräucherte Eiche prägt auch das Ambiente im hauseigenen japanischen Restaurant «Matsu». (Foto: InterContinental)
Ein organisch geformter Kronleuchter mit rund 2000 einzelnen Lampen empfängt den Gast am Eingang. (Foto: InterContinental)
Von der Seite betrachtet hat man das Gefühl, die Fassade winde sich schlangeförmig nach oben und um das Gebäude herum. (Foto: seele / René Müller Photographie)
Aus insgesamt 820 Tonnen Stahl besteht die Fassade, die in vorgefertigten Einzelteilen angeliefert und vor Ort montiert wurde. (Foto: seele / René Müller Photographie)
Die grosszügigen Zimmer liegen hoch über der Stadt und sind überwiegend nach Südwesten in Richtung Davos ausgerichtet, wodurch man am Abend die hinter den Bergen versinkende Sonne beobachten kann. (Foto: InterContinental)
Projekt
Hotel InterContinental
Davos, CH

Hersteller
Bauwerk Parkett
St. Margarethen, CH

Kompetenz
Villapark in verschiedenen Ausführungen

Hersteller
seele Gruppe
Gersthofen, D

Kompetenz
Stahl-Fassade

Architekt Fassade und verschiedene Innenbereiche
Oikios GmbH
München, D

Bauherr
Credit Suisse Real Estate Fund Hospitality

Totalunternehmer
ARGE TU Baulink AG, Toneatti
Davos, CH

Planung Geometrie der Fassade
designtoproduction
Stuttgart, D

Statik Fassade
Wilhelm + Partner
Stuttgart, D

Innenarchitektur öffentliche Bereiche und Zimmer
CM Design
Hamburg, D

Innenausstattung
Living Design
Stockholm, SE

Dekorationskonzept
Mareile Hellwig
Buchholz, D
Fertigstellung
2013

Konzeption, Planung und Ausführung Restaurant Studio Grigio
Blue Sky Hospitality
London, GB

Fotografie
René Müller Photographie
seele
Bauwerk Parkett
InterContinental

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