Kreative Resteverwertung

Martina Metzner
20. September 2020
Die Teppichkollektion «Candy Wrapper Rug» des Labels Nomad aus Bonbonpapier-Garn (Foto © Nomad)

Durch eine Reise in den Himalaya inspiriert, stellt die studierte Architektin Jutta Werner Teppiche aus Leftovers wie Bonbonpapier her, die sie nun unter ihrem Label Nomad vertreibt.

Auf die Idee, Teppichen aus Leftovers herzustellen, kam Jutta Werner während einer Reise durch den Himalaya: Ihr waren Bänder aus gedrehtem Bonbonpapier aufgefallen, welche die Einheimischen dort verwenden, um Heu zusammenzubinden. Weshalb nicht daraus einen Teppich weben, dachte sich die ausgebildete Architektin, die schon seit Jahren mit der Teppichbranche und indischen Webern zusammenarbeitet. Das Resultat stellte sie erstmals an der «Domotex 2018» zur Schau, nun konzentriert sich Jutta Werner gänzlich auf die Weiterentwicklung und den Vertrieb der Teppiche unter der Dachmarke Nomad.

20 Prozent Bonbonpapier und 80 Prozent Wolle werden in Indien von Hand zum «Candy Wrapper Rug» verwoben. (Foto © Nomad)

Während an der «Domotex 2018» der Teppich noch dick war und sich nur schwer rollen liess, kommen die neuen Modelle der «Candy Wrapper Rug»-Kollektion geschmeidiger daher. Sie bestehen zu 80 Prozent aus Wolle und zu 20 aus Bonbonpapier, das aus Produktionsüberresten stammt. In Indien wird das Material verarbeitet. Es fällt durch die schillernden Fransen besonders auf. Insgesamt vier Kollektionen gibt es bei Nomad: Neben der Kollektion «Candy Wrapper Rug» tragen auch «Rubber Rug» (aus Fahrradschläuchen) und «Coco Rug» (aus Schaffellresten) die Idee des Recyclings in sich. Die vierte Kollektion zum Thema «Outdoor» soll erst 2022 ins Rampenlicht rücken. Den «Candy Wrapper Rug» gibt es in neun Standardfarben und den -formaten 180 x 240, 200 x 300 sowie 300 x 400 Zentimeter. Für Sonderfarben (alle Pantone-Farben sind möglich) und -grössen ist mit einem Aufpreis von 50 Prozent zu rechen.

Für den «Rubber Rug» wird Garn aus mehrfach geschichteten Radschläuchen verwendet. (Foto © Nomad)

Jutta Werner schwärmt: «Ich möchte mit der Teppichkollektion eine Lücke im Markt schließen. Teppiche, die über das Material und die Konsequenz der Idee wirken, dabei sehr Mode-affin sind.» So werde es nie starke Muster oder Motive geben. Geplant sind ausserdem Designerkooperationen. Zur Gründung ihres Start-ups hat sie mit Ana Daki, bekannte Modefotografin aus Berlin, die erste Nomad-Kampagne geschossen, bei der die modische Komponente der Teppiche deutlich zutage tritt. Neben dem eigenen Vertrieb und jenem über ausgewählte Läden möchte Werner mit Architekturschaffenden Projekte entwickeln, besonders im Hotelbereich. In Berlin sind die Nomad-Teppiche vom 24. bis zum 30. Oktober 2020 in einer Installation im Concept-Store Baerck zu sehen. Weitere spezielle Kooperationen und Installationen in verschiedenen deutschen Städten werden folgen. 

Vorgestelltes Projekt

KEPENEK

GESTALTUNG ‘SKY LOUNGE’, SCHINDLER BESUCHERZENTRUM, EBIKON

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