Ökologische Materialinnovation für den Schallschutz?

Martina Metzner
17. Juni 2021
Foto: BAUX

Für Acoustic Pulp, ein natürliches Akustikmaterial aus Kiefer, Tanne, Wachs, Weizen, Kartoffeln und Zitrusfrüchten, setzt die schwedische Firma BAUX auf Biomimikry.

Die Akustikspezialist*innen der schwedischen Firma BAUX haben zusammen mit einem Chemielabor tief in die Experimentierkiste gegriffen und diverse natürliche Rohstoffe zu einem akustisch wirksamen Innenausbaumaterial verarbeitet, das leicht, wasserabweisend, rezyklierbar, feuerhemmend und stabil ist. Das neue Produkt ist als ökologisch unbedenkliche Alternative zu den meist erdölbasierten Akustikmaterialien gedacht, die aktuell vielfach in Verwendung sind. Doch die Acoustic-Pulp-Panels sind mehr als nur eine Materialinnovation, denn wie alle anderen akustisch wirksamen Produkte (auch jene aus Holzwolle und Filz) im Programm der Firma sollen sie besonders ästhetisch sein – sie wurden vom schwedischen Designstudio Form Us With Love entworfen, dessen Mitarbeiter*innen 2013 BAUX gegründet haben. 

Natürliche Stoffe würden ein ökologisch unbedenkliches Akustikmaterial für den Innenausbau ergeben, verspricht BAUX. (Foto: BAUX)
Zwei Jahre haben die Entwickler*innen der schwedischen Firma an dem neuen Produkt gearbeitet. (Foto: BAUX)

Die Materialeigenschaften sind der Natur nachempfunden: Um etwa für eine hohe Feuerfestigkeit zu sorgen, nahmen sich die Ingenieur*innen den natürlichen Holzversteinerungsprozess und die Widerstandsfähigkeit von Graswurzeln zum Vorbild. Um eine wasserabweisende Funktion zu erzielen, orientierten sie sich – keine ganz neue Idee mehr – an der superhydrophoben Oberfläche der Lotusblume. Und um den Platten die nötige Stabilität zu verleihen, haben sie Kartoffelstärke, pflanzliches Wachs und Fruchtschalen von Zitronen, Limetten und Orangen zu einer kraftvollen Matrix aus Zellulosemolekülen kombiniert. Schallabsorption, Langlebigkeit und ein geringes Gewicht werden ferner durch das Kopieren der Struktur von Bienenwaben erreicht.

Foto: BAUX

Die gefaltete Struktur ergibt sich durch Pressen mittels Vakuumtechnik. Inspiriert durch die japanische Origami-Faltkunst, wechseln sich die Riffelungen in ihrer Richtung ab: mal quer, mal im grossen und mal im kleinen Zickzack. Nanoperforationen werden unterdessen mit einem Laser eingearbeitet, um den Schall besser zu absorbieren. Zum Schluss wird jede Frontplatte mit einer wabenförmigen Rückwand aus dem gleichen Material verklebt. 

Die Energie für Produktion, die ausschliesslich in Schweden erfolgt, wird zu 100 Prozent aus Wasserkraft gewonnen. Alle verwendeten Stoffe können, das verspricht die Firma, am Ende der Lebensdauer der Platten recycelt werden.

Wie alle Produktrezensionen wurde dieser Artikel von German-Architects übernommen.

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